Sonntag, 3. Oktober 2010

Autobot - Total mutiert! (CD)

Es ist noch gar nicht so lange her, da ließ der Autobot noch verlauten, die Gitarre und somit auch seine Solo-Karriere erst einmal an den Nagel zu hängen, um dann gefühlte drei Wochen später das große Comeback zu verkünden. Und da die gewünschten Reaktionen in beiden Fällen mehr oder weniger ausblieben, hat der aufmerksamkeitsbedürftige Tübinger nun eben direkt eine neue CD veröffentlicht und sich, zumindest was die Aufmachung angeht, echt nicht lumpen lassen. Nicht nur das schön gestaltete Digipack ist ein Blickfang, sondern auch die CD selbst. Diese ist zwar unbedruckt, hat dafür aber eine rote Unterseite, was ich so auch noch nicht gesehen habe - très chic! Was den musikalischen Teil angeht, hat der Autobot dann aber leider doch etwas gegeizt. Gerade mal neun Songs, sowie einen Bonustrack gibt es auf „Total mutiert!“ zu hören. Klar sind da wieder richtig gute Songs dabei, bspw. über die Pedalo-Gang oder den coolen Kumpel (das ist wirklich ein Hit!), kleinere Ausreißer nach unten bleiben dem Hörer größtenteils auch erspart, aber, gemessen an dieser dekadenten Verpackung, wirkt diese doch recht kurze CD dann insgesamt leider ein wenig dürftig und ich denke, ein paar Songs mehr hätten dem Gesamtbild sicherlich gut getan.
Greffo

www.myspace.com/autobot1

1000 Robota - Ufo (CD)

2008 besetzte das Trio 1000 Robota die längst geschlossene Hamburger Schule und produzierte auf diesem ehrwürdigen Fundament ihr Debüt „Du nicht er nicht sie nicht“. Dabei handelte es sich um Postpunk, der zwar ohne Moog, dafür aber mit viel Riot daherkam und aufgrund der ähnlichen Spielweise einen Vergleich mit MIT zuließ. Just in diesem Monat erscheint der Nachfolger „UFO“ und der lässt sich als einen Versuch verstehen, den eigenen Stil der Band zu markieren und sich gegenüber eines Außens abzugrenzen. Die Musik lärmt immer noch, kommt aber im Vergleich zum Vorgängeralbum sehr viel groovebetonter rüber und lässt sich streckenweise tatsächlich mit den späten OSTZONENSUPPENWÜRFELMACHENKREBS vergleichen. Die Texte sind mit poetologische Aussagen versehen, wie etwa „Wir singen so, weil wir nicht anders singen können/ Wir schreien so, weil wir nicht anders schreien wollen“ (Wir reißen uns zusammen), zudem zieht sich eine Dichotomie von Kunst und Alltag fast wie sowas wie ein roter Faden durch die gesamte Platte. Man merkt aber vielleicht an meiner zögerlichen Beschreibung, dass mir die Texte trotz klarer Bilder inhaltlich zu unkonkret bleiben (und ich meine nicht so herrlich unkonkret wie die ersten Blumfeldalben, die einen mit dem Gefühl zurücklassen, etwas Großes gehört zu haben, obwohl man kein Wort verstanden hat). Der zweistimmige Gesang erinnert mich oft an Fettes Brot, was überhaupt nicht zum übrigen Stil der Band passen will und einen ganz eigenartigen aber eben dadurch auch ganz eigenen Eindruck hinterlässt. Fazit: UFO ist für Freunde von Postpunk mit Riot und den Hamburger Schule-Bands der ersten Generation ein Reinhörer wert.
Jörg

www.1000robota.com

Montag, 27. September 2010

The Giannies - I feel allright (CD)

Welche Musik hört man am besten zum Joggen? Das ist eine Frage, der, meiner Ansicht nach, in der öffentliche Debatte nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird. Daher möchte ich an dieser Stelle den Anfang machen und Euch an meinem reichhaltigen Erfahrungsschatz teilhaben lassen. Dass die Musik nicht zu langsam sein darf, sollte jedem von selbst einleuchten; auch eine übertrieben hohe Geschwindigkeit führt nur zu einer allzu schnellen Ermüdung. Daher mein Tipp: Etwas über Midtempo ist genau das Richtige. Darüber hinaus sollten schräge Takte, wie der 5/4- und der 7/8-Takt gemieden werden. Allzu schnell rufen einem sonst rüstige Rentner hinterher: „Schlaganfall und er läuft immer noch! Das ist die alte Garde, das nenne ich Kampfgeist!“ Desweiteren sollte die Musik fluffig und leicht sein, denn wer läuft schon zur Topform auf, wenn einem Krachgeräusche und ein Destillat aus 30 Jahren Weltschmerz ins Ohr dröhnt! So bin ich auf meiner Suche nach der richtigen Waldlaufmusik bald zum Rock n´ Roll gelangt. Doch auch hier steckt der Teufel im Detail. Wenn einem Typen mit schmierigen Tollen, Eightball-Tattoos und benzinschwangeren Stimmen Lieder über ihren kaputten Lifestyle vorgröhlen, motiviert das ebenfalls wenig, eine sportliche Bestleistung zu bringen. Schlussendlich habe ich für mich genau das Richtige gefunden. Die Giannies spielen lockeren Rock n´ Roll, der mich heiter und unbeschwert über Wald- und Feldwege hüpfen lässt. Das Trio macht keinen kaputten Eindruck, sondern klingt nach viel Spaß und sauberen Hemdkragen. Beim Joggen verausgabe ich mich mit den Giannis, und, ohne angeben zu wollen, ich glaube, man sieht auch schon was.
Jörg

www.myspace.com/thegiannies
www.myspace.com/subwix

Mittwoch, 15. September 2010

Spankies - End of Transmissions? (CD)

Die Spankies kommen aus Italien und haben offenbar nicht nur die Universität für Melodic Hardcore besucht, sondern waren dort vermutlich auch noch ganz schöne Streber. Wobei nein, demnach wäre das dann ja nach Jörg's Definition Mathcore, haha. Wie dem auch sei, die Spankies haben ihre Hausaufgaben jedenfalls gemacht und die fünf Songs auf ihrer aktuellen EP klingen genau so, wie diese Art von Mucke heutzutage halt zu klingen hat. Ordentliches Gebretter gepaart mit 1A Melodien, dazu ein schön rotziger Gesang, der mich phasenweise etwas an NOFX erinnert. Bei aller Perfektion gibt's aber trotzdem noch einen Punkt Abzug für die mangelnde Eigenständigkeit im Sound. Dass sie was auf dem Kasten haben, beweisen sie hier mehr als gut, aber am Wiedererkennungswert sollte doch noch dringend ein wenig gefeilt werden, dann gibt's auch nix mehr zu meckern.
Greffo

www.myspace.com/spankiesband
www.subwix.de.vu
www.strictly-commercial.de
www.myspace.com/thatluxgoodrecords

Montag, 13. September 2010

7 Weeks - All Channels off (CD)

Als ich die CD einlege und die ersten Klänge vernehme, bekomme ich es mit der Angst zu tun. Ein Metalriff der schlimmeren Sorte ist zu hören. Und wenn ich schlimm sage, dann meine ich auch schlimm. Mit Metal haben 7 Weeks aus Frankreich allerdings gar nichts am Hut. Die Metamorphose zu erträglicheren Klängen setzt dann zum Glück auch schon während des Titeltracks ein und statt fiesem Metal darf ich nun also Stoner-Rock lauschen. Ich muss gestehen, dass dies ein Genre ist, mit dem ich mich bislang eher wenig bis kaum auseinander gesetzt habe. Und an Bands kenne ich da eigentlich auch nur... na, ihr könnt's euch denken. 7 Weeks, und das kann ich auch ohne großartige Stoner-Rock-Expertenkenntnisse sagen, erfinden das Rad hier jedenfalls nicht neu, rollen selbiges allerdings verdammt elegant durch meine Gehörgänge. Teilweise mag das Ganze hier und da noch ein wenig eintönig sein, da die eingängigen Riffs sich mitunter dann doch arg ähneln, aber im Großen und Ganzen weiß "All Channels off" durchaus zu überzeugen.
Greffo

www.7weeks.fr
www.finestnoise.de

Viermannzelt - Pforzheim (CD)

Auf der Rückseite von DIY-Produktionen gleich mehrere Label-Logos zu erblicken, ist ja wahrlich nix besonderes mehr. Die fünf Pforzheimer von Viermannzelt sind da schon etwas innovativer und so lachen einen auf der Rückseite ihres Debüt-Silberlings statt Label-Logos die Logos verschiedenster lokaler Institutionen an, z.B. die Tierpraxis Nowakowski, der Fotograf Carsten Fertig oder aber auch die Firma Bähr Style, die die Pforzheimer Senioren chic macht. Das wirkt alles erstmal ziemlich befremdlich, aber da man die CD in sämtlichen Läden auch käuflich erwerben kann, macht es ja irgendwo auch Sinn und Parallelen zu Kooperationen mit DIY-Labels lassen sich da mit etwas Fantasie ja auch ziehen. Irgendwie... Nun ja, neben allerlei Werbung gibt's natürlich auch noch ein wenig Musik und diese ist um einiges bierzelttauglicher als, was Bandhitler Steffen mit seiner anderen Kapelle First Doom (die übrigens auch einmal gecovert wird) so verzapft. Dementsprechend werde ich auch nicht wirklich zu 100% warm mit der CD und ob man wirklich Matthias Reim covern muss, weiss ich nicht. Die EAV-Songs sind da schon um einiges cooler, aber da hätte es einer vielleicht auch getan. Insgesamt eine bunte Mischung aus Rock, Pop, Reggae, Country, Mitgröhl-Jazz und 'ner (viel zu) leichten Prise Punk. Nicht immer meine Tasse Tee, aber das, was Steffen und seine Gang da tun, das tun sie gut!
Greffo

www.viermannzelt.de

The Low Four - My Rise, my Fall (CD)

Sagt mal Jungs, seid ihr nicht irgendwie aus dem Alter raus, in dem man total cool mit Bierpullen und Kippen in der Hand für's Bandfoto posiert? Naja, sei's drum. Hier soll es ja schliesslich nicht um die Modelqualitäten der Band gehen, sondern um ihre musikalischen Skills. Und an den Instrumenten hat das Tübinger Quartett dann gottseidank doch etwas mehr drauf, als vor der Kamera. Die 14 teilweise etwas prolligen Streetpunk-Nummern des Debüt-Albums kommen zwar ohne wirklichen Hit aus, halten ihren Level dafür aber relativ konstant irgendwo zwischen "kann man sich anhören" und "och ja, ganz gut". Als Begleitmusik für die Autofahrt von Effringen nach Pforzheim also durchaus geeignet, für mehr fehlt mir da wie gesagt das gewisse Etwas, der eine oder andere Hit oder zumindest mal die eine oder andere Melodie, die im Ohr kleben bleibt. Für ein Erstlingswerk ist das aber durchaus nicht schlecht und Freunde dieses Genres werden sicherlich ihre Freude dran haben. Gibt's übrigens mittlerweile für sensationelle 3 € beim Label.
Greffo

www.myspace.com/thelowfour
www.myspace.com/thatluxgoodrecords

Featherlike - Kings & Queens (CD)

Wie die Bandhomepage ihren Besucher informiert, kommen Featherlike aus Basel und spielen so genannten Adult Pop, ein Musikgenre, das mir bislang nicht geläufig war. Schon der Blick auf das Cover, das mit den Konterfeis des Quartetts dekoriert ist, gibt einen ersten Hinweis darauf, dass man sich unter dieser Genrebezeichnung offenbar Musik von Erwachsenen (und, wie ich annehme, für Erwachsene) vorzustellen hat. Tatsächlich macht die Musik einen gereiften Eindruck. Befreit von jugendlicher Hitzigkeit zeigen die elf Stücke auf „Kings and Queens“ ein erwachsenes Songwriting, das gerade in einer alles überblickenden Ruhe seine Stärke hat. Die Lieder zeichnen sich durch ein kluges Arrangement aus, das in eine imposante, wenn auch etwas sterile Produktion gekleidet, dem Jugendwahn unserer Zeit etwas entgegenzusetzen hat. Wenngleich die Platten weder signifikante Höhe- oder Tiefpunkte beinhaltet, sondern stattdessen, wie jedes gute Album, am Stück gehört werden kann, sind vor allem „Love is a Minefield“ und „Stanley“ als Anspieltipps zu empfehlen.
Jörg

www.featherlike.ch
www.finestnoise.de

Anschiss - Immer weiter (CD-R)

Hui, eine CD von einer Band mit diesem Namen hätte auch aus einer Anhäufung von schwachsinnigem Fäkalhumor bestehen können. Wenn ich auch dem infantilen Scherz gelegentlich etwas abgewinnen kann, bin ich doch freudig überrascht, dass hinter dem Bandnamen etwas Ernsthafteres steckt, als ich befürchtet habe. Das Trio aus Hannover distanziert sich auf seiner Homepage klar von Rechtsextremismus, Rassismus und Sexismus, eine politische Haltung, die man auch aus den Liedtexten entnehmen kann. Darüber hinaus betreibt man Kapitalismuskritik, beschreibt die Individualisierung jenseits der Norm und versucht sich in „Sommer, Spaß und Sonnenschein“ sogar an einem Sommerhit. Was die Musik angeht, spielen Anschiss gut nach vorne gehenden, schnörkellosen Deutschpunk. „Immer weiter“ verdient nicht unbedingt einen Innovationspreis, ist aber für Freunde dieses Genres empfehlenswert.
Jörg

www.anschiss.net

Samstag, 28. August 2010

2zueins - Simsalaboom (CD)

Also, "Simsalaboom" ist ja schonmal der beschissenste CD-Titel des Jahres. Der Bandname ist auch nur unwesentlich cooler und in Kombination mit dem furchtbaren Cover-Artwork haben es 2zueins schonmal geschafft, dass meine Erwartungshaltung sich von vornherein direkt in den Keller verzogen hat. Enttäuschen können die 3 Leipziger mich also schonmal nicht mehr. Positiv überraschen dann allerdings auch nicht. Belangloser Deutschrock für Leute, die gern Pur hören, es aber auch mal gern ein wenig fetziger mögen. "Als "kurz, aber heftig" bezeichnet die Band ihren Silberling selbst. Kurz ist die CD in der Tat und heftig auch - nämlich so heftig, dass ich es bereits beim dritten Song nicht mehr aushalte und sie ganz schnell wieder aus dem Player entferne. Gut, dass ich sie nicht dem Jörg gegeben habe, dann hätte ich hier jetzt vermutlich einen Mitarbeiter weniger.
Greffo

www.2zueins.com

Ashers - Kill your Master (CD)

Bombe!
Kurz, präzise, auf die Fresse präsentieren die Bostoner von Ashers 13-mal Hardcore/Trash Punk vom Feinsten. Da stimmt einfach alles. Ins Mic schreit Mark Civitarese, den man sonst von The Unseen kennt, der allerdings bei den Aschern locker ein bis eineinhalb Zähne dazugelegt hat. Nach versöhnlichen Klängen sucht man hier vergebens. „Kill Your Master“ ist ein fast sechsundzwanzig-minütiger Arschtritt.
Genau das Richtige für angefressene Momente.
Jörg

www.myspace.com/asherstheband

Donnerstag, 26. August 2010

Wild Gift - s/t (CD)

Die vierköpfige Band Wild Gift kommt aus Köln bzw. Bonn und hat nun via Plastic Bomb Records ihren Debüt-Silberling auf den Markt geworfen. Und auf diesem gibt es 13 mal größtenteils auf deutsch vorgetragenen Punkrock zu hören, der auch gut und gerne aus vergangenen Zeiten stammen könnte. Weder überproduziert, noch mit zig unnötigen Gitarrensoli oder sonstigem Schnick Schnack vollgestopft gibt es hier kritische, kämpferische und auch persönlichere Stücke, die zwar ohne Aussetzer, aber dafür auch ohne wirkliche Hits auskommen. Und auch wenn der Gesang von Frontfrau Yvonne manches Mal gewollt aber nicht zu 100% gekonnt rotzig klingt, ist diese Scheibe auf jeden Fall ein solides Erstlingswerk und man darf gespannt sein, was es von der Band in Zukunft noch zu hören gibt.
Greffo

www.wildgift.de

Mittwoch, 25. August 2010

Black-Out Beauty - Horrortrip (CD)

Tja, nun habe ich die EP dieses Quintetts aus Luxemburg gehört, und bin gleich in einem Zwiespalt. Einerseits ist die Musik ("Psykecore" laut eigener Auskunft) gut gemacht – andererseits ist diese Spielart des Death Metal (hier: eine Mischung aus Florida-Death à la Cannibal Corpse, Grindcoreelementen und jede Menge Breaks) überhaupt nicht meine Tasse Blut. Als Verfechter des Elchtods (Schweden-Death! Rock´n´Roll, Baby!) ist das hier schlicht zu viel für mich... Aber: dies soll beileibe kein Verriss sein – Anhänger von Bands wie Black Dahlia Murder, die modernerem Death Metal mit abwechselnden Grunz- und Schreipassagen bzw. Blast- und Grooveparts nicht abgeneigt sind, sollten hier mal ein Ohr riskieren!
Niklas

www.myspace.com/blackoutbeauty
www.finestnoise.de

Dienstag, 24. August 2010

Bloodspot - The Demon EP (CD)

Wie sagte Neil Young einst: „It´s all one song.“ Auf der Demon EP von Bloodspot trifft das in der Weise zu, dass die Lieder nicht nur nahtlos ineinander übergehen, sondern sich auch überhaupt nicht voneinander unterscheiden, eben so, als wären da nicht fünf, sondern nur ein Song zu hören. Fraglich ist allerdings, ob das bei diesem Stil überhaupt verwundern darf. Denn musikalisch ist das Schaffen des Limburger Quintetts in Schubladen mit den Aufschriften Trash-, Death Metal und Metalcore zu stecken. Die etwas prollige Attitüde auf der Demon EP erinnert gelegentlich an The Haunted, auch für Liebhaber von Hatesphere kommen hier sicherlich auf ihre Kosten kommen.
Summa Summarum: Eine solide Bearbeitung des Themas
Jörg

www.bloodspot.de

www.finestnoise.de

Freitag, 23. Juli 2010

ALMO - Melodien aus der Hülbe (MC)

Kleine gelangweilte Kinder mit zu viel Phantasie und noch mehr Freizeit machen mehr schlecht als recht so etwas ähnliches wie Musik, nehmen den Mist mit dem Kassettenrekorder der großen Schwester auf und kommen sich dabei auch noch verdammt cool vor. 15 Jahre später finden sie die Aufnahmen auf dem Dachboden wieder und anstatt die Magnetbänder zu vernichten und für immer den Mantel des Schweigens über ihre akustischen Jugendsünden zu hüllen, kommen die zwei Herrschaften sich immer noch verdammt cool vor und beschließen, ein Label zu suchen, welches den ganzen Quatsch noch mal via Kassette auf die Menschheit loslässt. Der gute Aldi, dem ja bekanntermaßen nichts zu peinlich ist, lässt sich nicht zwei Mal bitten und das Ergebnis liegt mir hier nun vor. Mit Instrumenten wie dem Klopfteil oder der Hui-Pfeife untermalt, gibt es hier Lieder wie „Stiftbefummler Jack“, „Batterienarsch“, „Ich bin blöd“ oder aber auch den „Mäuserap“. Seite A sorgt noch für den einen oder anderen Lacher, auf Seite B geht mir das Ganze dann schon leicht auf die Eier und nach 45 Minuten bin ich dann irgendwie ganz froh, dass es vorbei ist. Die Melodien aus der Hülbe bieten sicher ein paar Hits, aber weniger ist manchmal mehr. Maximal eine halbe Stunde von diesem Krach hätte es auch getan, denn irgendwann wird’s echt verdammt anstrengend. Kommt zudem mit Farbcover und Sammelposter und kann mittlerweile auch auf der Myspace-Seite gratis herunter geladen werden...
Greffo

www.myspace.com/almo4ever
www.myspace.com/aldipunk

Überdosisnichts - Land der Kompromisse (CD)

„Stiftung Punktest: Sehr gut“ steht ganz keck vorne auf dem Cover dieses Silberlings. Und dass so ein Gag auch mal ganz leicht nach hinten losgehen kann, beweisen die 13 Songs auf dem 4. Album von Überdosisnichts dann leider recht eindrucksvoll. Sehr gut sind hier nämlich weder die Texte, noch ist es die musikalische Untermalung. Okay, kommt die Band an den Instrumenten zumindest noch ganz gut weg, so sind die lyrischen Ergüsse dann doch eher grausig. Insgesamt gibt es hier elf mal allenfalls durchschnittlichen Deutschpunk und der Abwechslung halber nochmal zwei im halbwegs ordentlichen Realschulenglisch verfasste Songs. Also, glaubt der Stiftung Punktest nicht alles und macht euch besser vorher selbst ein Bild davon. Mich persönlich reißt es jedenfalls nicht vom Hocker.
Greffo

Montag, 5. Juli 2010

Che Guevara T-Shirt – Stochastic Models of Che Guevara T-Shirt (CD)

New York ist ja seit je her bekannt als Quelle für zugleich eigenwillige und richtungsweisende kulturelle Strömungen. Sei es in der Kunst die Pop Art des Herrn Warhols oder Jacksons Pollocks Action Paintings oder in der Musik Bands wie The Velvet Underground oder Sonic Youth. Mit Che Guevara T-Shirt haben wir hier die neuen jungen Wilden vom Big Apple. Bei dem vorliegenden „Stochastic Models of Che Guevara T-Shirt“ handelt es sich um das Debüt des Trios und das hat es in sich. Ob durch Superfuzz oder Big Muff, für die Gitarrenarbeit scheint Thurston Moore Pate gestanden zu haben. Zugleich weicht die Bearbeitung der Sechssaiter in Punkto Sauberkeit und Ordnungsliebe von diesem Vorbild ab. Die Che Guevara T-Shirt-Gitarren sind dreckig, klingen bisweilen kaputt und folgen in ihrer rostiger Sperrigkeit manchmal nur sehr widerwillig der übrigen Musik. Diese wird im bandeigenen Beat durch die Rhythmusgruppe kantig und hölzern vorangetrieben. Vor allem das ekstatischen „Work for Sleep“ erinnert gesanglich an Isaac Brock der frühen Modest Mouse, mit dem der Sänger in Punkto Timbre ohnehin eine gewisse Ähnlichkeit aufweist. Wie bei einem Livekonzert vollzieht sich auf „Stochastic Models of Che Guevara T-Shirt“ über die Spielzeit eine Entwicklung: Kommt der Opener „The Recieving End“ noch etwas schüchtern und holprig, scheint überhaupt erst im zweiten Stück „Sabrina“ der Rhythmus zu sich gefunden zu haben, läuft die Combo in der Mitte der Spielzeit zur Höchstform auf, um schließlich bei „Metal and Life“ und „Tapped Again“, den letzten beiden Stücken, in finale Noiseeskapden auszubrechen. Für Freunde von Mathrock und coolen Bandnamen sind Che Guevara T-Shirt eine Entdeckung.
Jörg

http://ksonin.com/cgt/cgt.htm

Sonntag, 4. Juli 2010

V/A - Deutschpunk Balladen Vol. 2 (CD)

Uff, das ist alles andere als leichte Kost! 18 Deutschpunk-Kapellen schalten hier mal 2, 3 Gänge runter oder greifen gar zur Akustik-Klampfe. Das Konzept mag ja ganz nett sein und der eine oder andere Song mag einzeln vielleicht auch noch ganz okay klingen… aber insgesamt? Ich sag’s mal so: Ich hab beim Hören dieses Samplers das Fenster zugemacht und leiser gedreht, weil es mir echt schon peinlich war. Sorry, aber das ist echt mehr als grausam…
Greffo

No Shame - Ironing Day (CD)

Heute ist Bügeltag - und zwar mit jeder Menge Dampf dahinter!
Mit ihrem fünften Album präsentieren die Finnen von No Shame zwölfmal Polit-Punk der Extraklasse. Trotz Titel wie „Fuck The System" ist hier weder musikalisch noch lyrisch eine Neuauflage von The Exploited zu erwarten - vielmehr beweist das Quartett in Liedern wie „Better Drunk Than Part Of The Machine“, dass es seine Funktion als Kritiker ironisch brechen kann. Die Musik spricht für sich selbst. Kompromisslos tight brettern schnörkellos Gitarre, Bass und Schlagzeug nach vorn und ziehen mit catchigen Refrains immer wieder den Hörerfisch an Land. Aber auch die ruhigeren Momente und eine Topproduktion machen „Ironing Day“ zu einem echten Hinhörer. Man fühlt sich doch des öfteren an Bombshell Rocks und Anti-Flag erinnert-für Fans genannter Gruppen kann es nur heißen: „Consume And Buy, Buy, Consume!!!"
Jörg & Niklas

www.rookie-records.de

Freitag, 2. Juli 2010

Mofa - Punk Rock Fuck Off (CD)

Im beschaulichen Kölner Stadtteil Mülheim gab es einmal fünf musikalisch nicht unbegabte Jungs, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, eine Deutschpunkband nach dem Vorbild der Schlachtrufe BRD-Sampler zu gründen. Sie nannten sich Se Sichelzecken und ihnen gelang etwas, das sich ohne zu übertreiben als eine kleine Sensation in dieser Musiksparte bezeichnen lässt: Wo andere Deutschpunkbands nach Schema F Funpunk mit ´ner Priese „Nazis raus“ auf den immergleichen Akkorden runterleiern, kreierten Se Sichelzecken tatsächlich etwas Neues. Sie paarten Mülheimer Asi-Chic mit Stromgitarren und feierten sich von Texten des 80er Hardrocks inspiriert in an Größenwahn reichender Selbstüberschätzung ab. Spätestens nach dem Erscheinen ihres Albums „Was soll das sein eine Generation?“ stand außerfrage, dass hier etwas Neues und Aufregendes stattfand, das es auf jeden Fall im Auge zu behalten galt.
Doch dann kam alles anders. Ich kann nicht sagen, ob der erwartete Erfolg ausblieb, oder ob die Jungs vielleicht auch nur sahen, was sie da zustande gebracht hatten, jedenfalls entschied man sich dazu, die DIY-Strukturen zu verlassen und bei dem mittelgroßen Indiependentlabel Hamburg Records nach den Sternen zu greifen. Um in der Ellenbogengesellschaft der kommerziellen Musikindustrie zu bestehen, dünnte das Quintett auf vier Köpfe aus, tauschte den Bandnamen in „Mofa“ und verlor irgendwo zwischen Köln Mülheim und der großen weiten Welt bedauerlicherweise auch das, was es einst so einzigartig gemacht hatte. Ich weiß nicht, wie ich den vorliegenden Tonträger mit dem bezeichnenden Titel „Punk Rock Fuck Off“ gefunden hätte, wenn mir die Vorgeschichte der Band nicht bekannt gewesen wäre, aber was da jetzt so locker flockig aus den Boxen kommt, klingt wie die angepasste Version von etwas, das ich mal gut gefunden habe. Dass Lieder wie „Im Gras“, „Flatscreen Revolution“ und auch die Single „Tiger“ durchaus gelungen sind, gebe ich allzu gerne zu. Auch klingt die Musik aufwendig produziert und die Chöre, die seit jeher eine große Stärke dieser Band sind, könnten kaum mit mehr Raffinessen aufwarten. Doch leider reicht das alles nicht aus, um von den Längen und der Eindimensionalität dieser Platte abzulenken. Für die zweiten müsste, wenn es nach mir ginge, die Devise „Back to the Roots“ lauten.
Jörg

www.mofamusic.de

Montreal - s/t (CD)

Montreal ist eine Band aus dem Hamburg Records-Stall und diese Herkunft scheint zu einem bestimmten Sound zu verpflichten. Der zeichnet sich neben seiner Nähe zum Punkrock vor allem durch Stadionrock-eske Gitarrenmauern und mehrstimmige Chöre aus. Für alle, denen das nicht viel sagt, der Klang des Hamburger Trios lässt sich leicht mit dem der Ärzte vergleichen, hat aber zugleich einige Berührungspunkte mit dem US-amerikanischen Melodic-Core. Textlich spielen Montreal in einer Liga mit Fettes Brot und Farin Urlaub, denn es gelingt ihnen, ohne übertriebenen Kitsch, dafür mit wohl gewählten und klug gereimten Worten authentische Alltagsszenen aus den Leben dreier Twens zu erzählen. Ok, bei „Wir sind die Gang“ funkelt noch eine voradulte Albernheit durch. Dafür trifft ein reiferer, ja leicht zynischer Umgang mit den Problemen des Lebens in Stücken wie „Dein neuer Freund und ich“ oder „Das letzte Lied für Dich“ deutlich in den Vordergrund. Das mittlerweile vierte Studioalbum von Montreal sollte am Stück gehört werden. Zumindest würde es mir sehr schwer fallen, die Single zu bestimmen. Denn wenngleich es keine Ausfälle auf dem selbstbetitelten Album gibt, ragt auch kein einziges Stück in der Weise hervor, dass es in einer Radioplaylist oder an einem Abend in der Indie-Disco ganz besonders ins Ohr treffen würde.
Jörg

www.montrealmusic.de

Donnerstag, 24. Juni 2010

A Boy named Fisk - s/t (CD)

A Boy Named Fisk sind wohl das heißeste, was Köln zurzeit zu bieten hat. Und das liegt vielleicht daran, dass man ihrer Musik weder Domstadt noch überhaupt Bundesrepublik anhört. Dem Klang nach hätten wir die Combo nämlich als aus Großbritannien stammend vermutet, wo sie zwischen Arktischen Monkeys und Franz Ferdninändern entstanden sein könnten. Das gilt speziell für die Rhythmussektion, denn der schleppende Disco-Beat dürfte auf der Tanzfläche so manches Hinterteil zum Wackeln bringen und muss sich hinter dem der genannten Bands keinesfalls verstecken! Die selbstbetitelten Debüt-EP enthält fünf Knaller, die garagiger produziert als die Werke der oben angegeben Referenzbands sind und einen klaren Rekurs auf die achtziger Jahre erkennen lassen. Die mit reichlich Popappeal, flinken Off-Beat-Gitarren und einem Wahnsinnsgespür für eingängige Harmonien versehenen Songs lassen die 13:30 Gesamtspielzeit wie im Flug vergehen und machen Appetit auf einen Longplayer, der diesem durch und durch gelungenen Debüt hoffentlich bald folgen wird. Auf der Homepage der Band sind diese Songs übrigens als Download erhältlich-für ´nen 5er kann/sollte man sich dieses Kleinod in gepresster Form zuschicken lassen.
Jörg & Niklas

www.myspace.com/aboynamedfisk

Montag, 21. Juni 2010

Gary - One Last Hurrah to The Lost Beards Of Pompeji (CD)

Im Mai diesen Jahres erschien Gary´s „One Last Hurrah to The Lost Beards Of Pompeji”, das zweite Album des Berliner Powerpoptrios, dessen Kopf, Robert Stadlober, den meisten von uns als Darsteller in Filmen wie „Sonnenallee“, „Crazy“ und „Verschwende Deine Jugend“ bekannt ist. In letzterem spielt er sogar einen Bandleader, der seine eigenen Songs schreibt und auf der Bühne voll abrockt. Was sich aber auf der Leinwand ganz gut ausnimmt, wird für die Band Gary zu einem regelrechten Fluch. Mit dem Wissen um ihren Frontmann denkt man sich die Band leicht als das Hobbyprojekt eines Schauspielers, das nur wegen dessen Bekanntheit überhaupt dem Probekeller entwachsen ist. Zur Musik: Vergleicht man die neue Gary mit dem acht Jahre zuvor veröffentlichten Debüt „The Lonely Cnorve Machine“, so fällt ein deutlicher Wechsel der Referenzbands ins Ohr. Während der Vorläufer mit seinen schrulligen Indieklängen und seiner verzerrten Kantigkeit stellenweise an eine Mischung zwischen Sebadoh und Jimmy Eat World erinnert, weist Gary´s Neue eine nicht zu leugnende Nähe zu den Lemonheads auf. Insgesamt klingen die Lieder reifer und ausgetüftelter. Am Mikrofon ergänzt Astrid Noventas Stimme die Stadlobers ganz hervorragend und lässt so wunderschöne Harmonien entstehen, die mich bisweilen an eine von innerer Schwermut befreite Version von The Decemberists erinnern. Thematisch bleiben die Lieder in einem überschaubaren Rahmen des Privatlebens. Das eingängige „John Peel and the Dragon of Steel“ ist der britischen Radio-DJ-Legende gewidmet und „The Summer oft the Century“, meiner persönlichen Lieblingsnummer, beschreibt in schlichter Schönheit eine Sommerliebe. Insgesamt klingt „One Last Hurrah To The Lost Beards Of Pompeji“ glücklicherweise nicht wie eine Ich-kann-nicht-nur-Schauspieler-Platte eines Auch-Musiker. Durch Finesse und Charme kann sich Gary´s Neue gegen solchen Klischees, die Alben von singenden Schauspielern oft zurecht anhaften, behaupten. Sie ist sicherlich kein Meilenstein der Musikgeschichte, sondern einfach nur eine nette Platte eines nicht mehr ganz neuen Berliner Powerpoptrios.
Jörg

Freitag, 4. Juni 2010

Steelbone - Don't crush your Head (CD)

Wer bei dem Namen Steelbone an eine Schülerband denkt, vermutet richtig. Wer darüber hinaus annimmt, dass die was mit Heavy Metal zu tun haben müssen, hat eine gute Intuition. Das Cover des vorliegenden Tonträgers verstärkt diese Eindrücke, denn es sieht aus, als wäre es in einer langen Mathedoppelstunde in der siebten und achten Stunde unter dem Pult entworfen worden. So wie die Adoleszenz der Bandmitglieder ist auch die Musik in ihrer Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Zwischen Korn und den Guano Apes, Moshgrooves und Nachdenklichkeit, echtem Gefühl und begrenztem Ausdruckvermögen ist Steelbone eine Band, die noch auf dem Weg zu sich selbst ist, und das zu finden noch vor sich hat, was sie im Innersten zusammenhält. Für mich ist „Don´t Crush Your Head“ ein Beispiel dafür, dass die fortschreitende technische Entwicklung es mittlerweile bereits Schülerbands ermöglicht, qualitativ hochwertige Tonträger zu produzieren. Der Rest muss sich im Fall von Steelbone halt noch finden.
Jörg

www.steelbonerocks.de
www.finestnoise.de

Donnerstag, 3. Juni 2010

Mofakette - Rest-Schluck (CD)

Was ist eigentlich so geil an an diesen kleinen Zweirädern, dass immer mehr Bands sie in ihren Namen einbauen? Nach Mofagang, Mofabande und mindestens einem Dutzend total innovativer Bands, die sich einfach nur Mofa nennen, nun also auch noch Mofakette. Was kommt als nächstes? Mofaführerschein? Mofatuning? Man darf gespannt sein... Gespannt war ich wiederum, ob ich damit richtig lag, mit dem Schlimmsten zu rechnen. Der Bandname in stilsicherer Kombination mit diesem Cover schreckt dann ja doch erstmal ein wenig ab. Und während ich zu den Klängen des ersten Liedes eigentlich schon nach coolen Formulierungen für einen gehörigen Verriss grübel, hält mich das nächste Lied dann schon wieder davon ab. Der musikalische Rest-Schluck benötigt erstmal ein wenig Zeit, um sich den Weg aus dem Flaschenhals zu bahnen, entwickelt sich dann aber doch noch zu einem ordentlichen Tropfen. Die drei Stuttgarter sind verdammt fit an ihren Instrumenten und bieten dem Hörer nach einem holprigen Start sogar den einen oder anderen Ohrwurm. Klar, das Punkrock-Rad V2.0 ist das hier nicht und textlich driftet man oft ins Belanglose ab, aber alles in allem ist das schon recht ordentlich und dürfte unter den jüngeren Punkern sicher viele Anhänger finden.
Greffo

www.myspace.com/mofakette
www.rookierecords.de

The Bullfight - Stranger than the Night (CD)

Nein, Nick Cave denkt noch nicht ans Aufhören. Gottbewahre! Wieso sollte er auch? Mit Grinderman hat er der Welt einmal mehr bewiesen, dass er noch so manches Eisen im Feuer hat. Sollte man aber doch einmal einen Nachfolger für ihn bestimmen müssen, so würde ich die niederländische Band The Bullfight vorschlagen. Die spielen und schreiben in Caves Tradition, ohne „The Secret Life of Love Songs“ übermäßig studiert zu haben und so können sie für sich das Attribut geil geil geil beanspruchen. Chansoneske Musik mit Hammondorgel und Violine, von der Band selbstbewusst als Pop Noir bezeichnet, zieht den Korken aus jeder Rotweinflasche und vermag jede Tageszeit in eine Vollmondnacht zu verwandeln. Dazu lässt der dunkle Bariton des Sängers Nick Verhoeven die Herzen schmelzen und wird gelegentlich auf höchst angenehme Weise durch die lieblich spröde Stimme Linda Kreuzens ergänzt, die (vielleicht glücklicherweise) keine Kylie Minogue ist. Passend zur düsteren Atmosphäre der Musik wird man von den Texten in surrealistische Szenen jenseits von Gut und Böse entführt. Schauplatz ist das Rotlichtmilieu, in dem das Schöne und das Hässliche, Leben, Liebe und Tod näher beieinander liegen als in irgendeiner anderen Welt. Für mich hat „Stranger than the Night“ durchaus das Potential unter den zehn wichtigsten Alben dieses Jahres zu landen und daher möchte ich jeden, der nicht Chansonmusik und/oder Nick Cave grundsätzlich ablehnt, für dieses Album begeistern und meine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen.
Jörg

www.thebullfight.nl
www.finestnoise.de

Montag, 17. Mai 2010

Jet Love - Intergalactic Transmission (CD-R)

Schon direkt das erste Lied dieses Silberlings wirft bei mir die Frage auf, was bei einer Demo wichtiger ist. Die Authentizität oder die Soundqualität? Die drei Herren aus Flensburg lehnten es bei der Produktion dieser CD-R ab, konventionelle Wege zu gehen und versuchten viel mehr, so viel Proberaum wie möglich mit in die Aufnahmen zu bringen. Das ehrt sie natürlich, aber meiner Meinung nach ist das hier schon wieder viel zu viel Proberaum. Auch wenn es ja offensichtlich beabsichtigt ist, aber ich hab wirklich schon Kassettenrekorderaufnahmen gehört, die besser klangen und so gestaltet sich das Hören der sieben Songs nicht unbedingt als das allergrößte Vergnügen. Und das ist eigentlich ziemlich schade, denn Jet Love können musikalisch echt so einiges! Ein paar schöne Punk’n Roll Nummern mit ’nem gehörigen Trash-Faktor gibt es hier zwischen jeder Menge Gerausche und Feedbacks um die Ohren. Kommt live sicher ziemlich gut, aber aus der Konserve haut es mich dann aufgrund der Soundqualität eher nicht um.
Greffo

www.myspace.com/lovejet

Take Shit - Was is'n nu mit Revolution? (CD)

Also für das Cover wäre hier schon mal die volle Punktzahl drin, wenn es im Snake Mountain ein derartiges Bewertungssystem gäbe. Das ist so unglaublich hässlich, dass es schon wieder cool ist. Und der Plattentitel ist auf jeden Fall auch ’ne berechtigte Frage und wohl an die ganzen Kapellen gerichtet, die mit revolutionären Texten nur so um sich werfen und letzten Endes doch nur die gängigen Klischees bedienen. Das ist sicherlich ein guter Ansatz, aber über gute Ansätze gehen die zum Teil politisch motivierten Songs von Take Shit dann selbst leider auch nicht hinaus, sodass man sich auf der Suche nach der Antwort dann doch eher im Kreis dreht… Ansonsten versucht man es hier mehr oder weniger erfolgreich auf die eher humoreske Tour. Und auch wenn sich die Band scheinbar selbst nicht allzu ernst nimmt - bei Textzeilen wie „Punkrock stört den Fascho sehr, Punkrock schallt vom Berg zum Meer […] Punkrock singt von Alkohol, Punkrock ist kein Blumenkohl“ denke ich mir dann auch lieber meinen Teil…
Greffo

www.takeshit.de

V/A - Schlachtrufe BRD IX (CD)

Kennt ihr das, wenn ihr die Fortsetzung eines guten Films schaut und irgendwann feststellt, dass es nichts weiter als ein lahmer Versuch ist, aus dem Franchise noch ein wenig Kapital zu schlagen? Ein ähnliches Gefühl beschleicht mich nämlich beim Hören des mittlerweile schon neunten Teils dieser altbekannten Sampler-Reihe, auf dem sich Bands wie Atemnot, Take Shit, Einsturz, Ladehemmung oder die Kafkas tummeln. Insgesamt 26 mal eher durchschnittlicher Deutschpunk ohne wirkliche Ausreißer nach oben. Schade eigentlich…
Greffo

Dante's Dream - Episodes (CD)

Im schlichten weißen Cover mit ebenso schlichtem Schriftzug kommt „Episodes“, das Debüt der Leipziger Band Dante´s Dream, daher und man weiß zuerst nicht so recht, wohin man sie stecken soll. Zuerst einmal die CD in den Player und da immer noch so viele Menschen, wie ich gerade, das Buch nach seinem Umschlag, die CD nach ihrem Cover beurteilen wollen, hat die Band die minimalistischen Gestaltung ganz zurecht gewählt. Wo die Verbindung zum italienischen Dichter Dante Alighieri besteht, ist mir ein Rätsel geblieben, das Träumerische jedoch fällt bereits beim mit Froschgequake untermalten Opener „Dante´s Theme“ direkt ins Ohr. Insgesamt geht es ruhig zur Sache. Das Quartett zelebriert mit einer wunderbaren Verspieltheit und progressiven Instrumentalparts, bei denen neben Gitarren auch Keyboards, Flöten und Streicher zum Einsatz kommen, eine Art Rotwein-bei-Vollmond-Feeling. Das und die Powerpopausbrüche bei Stücken wie „Insane, they say“ machen „Episodes“ zu einer Perle der Indiemusik, die allerdings, weil der Tonträger insgesamt seine Längen hat, leider etwas von ihrem Glanz einbüßt.
Jörg

www.dantesdream.de
www.finestnoise.de

Donnerstag, 13. Mai 2010

Die Kolporteure - Einmal damals und zurück (CD)

Das Haus Nix Gut beschert uns die CD der Deutschpunkrocker KOLPORTEURE. Der Silberling enthält eine Auswahl an Outtakes, Samplerbeiträgen und Proberaummitschnitte. Hierdurch lassen sich die Schwankungen der Aufnahmequalität zwischen den verschiedenen Stücken erklären. Trotz des nicht zu leugnenden Klangunterschiedes ist die Band aber bemüht ein gewisses Mindestmaß an Hörgenuss nicht zu unterschreiten. Musikalisch erinnert mich das Berliner Quintett streckenweise an SLIME. Vor allem die ersten Stücke kesseln so richtig schön los und könnten, ohne ihnen die musikalische Eigenständigkeit absprechen zu wollen, auch auf SCHWEINEHERBST enthalten sein. Leider gelingt es den Kolporteuren nicht auch an das textliche Niveau dieses Vorbilds anzuknüpfen. Zwar werden inhaltlich typische Themen verarbeitet, die insgesamt auf eine Kritik an einer kranken Gesellschaft zielen, aber leider springt (zumindest bei mir) der Funke nicht wirklich über.
Jörg

www.kolporteure.de

Mittwoch, 12. Mai 2010

Fucking Werewolf Asso - Kid just letting you know we're doing it again (CD)

Was ursprünglich als elektronisches Ein-Mann-Projekt startete, ist mittlerweile zu einer bühnentauglichen Zwei-Mann-Combo mit Schlagzeuger mutiert. Aber ausser der Tatsache, dass die Drums nun nicht mehr aus der Konserve kommen, hat sich nicht viel verändert. Weiterhin gibt es schräge 8 Bit Klänge und Melodien, die sowohl bei Fans des Sega Mega Drives, als auch bei alten Super Nintendo-Zockern wahre Glücksgefühle auslösen dürften. Dazu gibt es einen hysterischen, schrillen, sowie hohen Gesang, bei dem nicht unbedingt sofort klar ist, ob es sich da nun um einen Mann oder eine Frau handelt und fertig ist ein 10 Stücke umfassendes Album, welches sicherlich das Potenzial hat, von dem einen oder anderen den Stempel "anstrengend" aufgedrückt zu bekommen. Ich hingegen krame aber lieber den "grandios"-Stempel raus, denn ich finde die CD von vorne bis hinten klasse. Leute, die Les Trucs, Gtuk und Co. mögen, können hier absolut nichts falsch machen. Tipp!
Greffo

www.myspace.com/fuckingwerewolfasso
www.alleycat.se
www.rookie-records.de

Donnerstag, 29. April 2010

Boiler - Alles und nichts (CD)

Boiler sind das deutschsprachige Pendant zu Clawfinger. Und auch wenn die Nachfrage nach 90er Crossover in den letzten Jahren nicht unbedingt angestiegen sein dürfte, hätte dieses Konzept durchaus seine Daseinsberechtigung. Was das Quartett jedoch gänzlich unausstehlich macht, sind die Texte und die Art wie Sänger Howdie diese dem Zuhörer mit einer Stimme, mit der man sich keine Freunde macht, entgegen stöhnt. Wäre es nur so, dass er sich einfach nur nicht ausdrücken könnte, man würde diesen Feierabendlyriker noch irgendwie bedauern, doch die Dreistigkeit, mit der das Sprachrohr der Band in nahezu jedem Lied seine sexuelle Potenz abfeiert, erfüllt mich einfach nur mit Fremdscham. Daher möchte ich auch kein weiteres Wort darüber verlieren.
Jörg

www.boiler-band.de
www.finestnoise.de

Freitag, 23. April 2010

Tischlerei Lischitzki - Kommunikation ist der erste Schritt zum Abbau der eigenen Persönlichkeit (CD)

Im norddeutschen Lüneburg öffnet jeden Morgen der Handwerksbetrieb Tischlerei Litschitzki seine Werkstatt, um all den Ikeamöbelhäusern und Heimwerkern zum Trotz seiner Berufung nachzugehen. Uns liegt hier bereits das dritte Fachwerk „Kommunikation ist…“ vor und das weiß von der ersten Spielminute an seine Herkunft in den schönsten Tönen zu loben. Ja, schon der Sound macht klar, dass hier nur die besten Materialien verwendet wurden, die durch eine gekonnte Verarbeitung durch ein handfestes Instrumentalspiel ohne viel Hang zu überflüssigen Verschnörkelung ein solide Äußeres erhalten. Der Stift in der Tischlerei stellt bestimmt wenig überflüssige Fragen, denn die Stimme des Meisters gibt unmissverständlich zu verstehen, wo es lang geht. Wer sich die Mitarbeiter jetzt allerdings als lustige Handwerksgesellen vorstellt, geht fehl. Die Tischlerei befindet sich der schlechtesten aller Welten, auf die die Tischler entsprechend wütend reagieren. Wie der Titel schon vermuten lässt, wird die Persönlichkeit von allen Seiten bedroht: Jedes Massenmedium ist ein Organ zur Manipulation, die Gesellschaft betoniert die natürlichen Wege der Menschheit zu, auch die unabhängig wirkendne Punkbands und -label sind allein von kommerziellen Interessen getrieben, schließlich bleibt jedem nur noch der Stillstand als Ausweg. Selbst König Midas, dessen Fluch es immer war, alles durch seine Berührung in Gold zu verwandeln, macht hier alles Gold zu Dreck.
Jörg

www.tischlereilischitzki.de
www.elfenart.de

Mittwoch, 7. April 2010

Assophon - Sternenstaub (CD)

Hinter dem Pseudonym Assophon verbirgt sich Club Déjà-vu Frontmann Florian Führer, der wirklich so heißt und gern mal damit angibt. Wer die Band kennt, der wird sich jetzt in etwa ausmalen können, in welche Richtung das Ganze hier textlich geht. Grenzdebile Lyrik über gescheiterte Existenzen, Alkohol, Frauen... das Übliche halt. Und wenn der Inhalt auch das Selbe in grün sein mag, so hebt sich die Verpackung dann doch ziemlich von der seiner Bandaktivitäten ab. Statt Punkrock wird hier feinster elektronischer Krach dargeboten, für den teilweise unüberhörbar Sputnik Booster als Quelle der Inspiration herhalten mussten. C-64-Gedudel, schräge Synthies, sowie hier und da mal 'ne Gitarre sorgen für den einen oder anderen Ohrwurm. Und wer dann noch "Heat of the Moment", Knochenfabrik und den Titelsong der alten He-Man Trickserie covert, kann ohnehin kein schlechter Mensch sein. Absolute Kaufempfehlung!
Greffo

www.myspace.com/assophon
www.myspace.com/subwix

Montag, 5. April 2010

V/A - Der Verlorene Song (CD)

Frivol und Billig Records ist, wie wir spätestens seit der letzten SM-Ausgeabe wissen, ein kleines DIY Label dem baden- württenbergischen Pforzheim und hat den vorliegenden Sampler „Der verlorenen Song“ veröffentlicht. Schon der Titel macht klar, dass es hier nicht unbedingt darum ging, ein homogenes Gesamtwerk zu schaffen. Notwendige und hinreichende Bedingung bei der Liedauswahl war offensichtlich, dass sie, die Lieder, noch nirgendwo anders veröffentlicht worden sind. Dementsprechend bunt fällt der Sampler dann auch aus. Und was da bisher noch nirgendwo anders veröffentlicht worden ist, passt zu großen Teilen durchaus ins Pforzheimer Festzelt. Denn hier geben sich neben Liedermachern, Metalbands und Elektro- bzw. Sprechgesangsprojekten auch Rockpop- und Schlagerbands die Klinke in die Hand. Darüber hinaus ist die hohe Klangqualität zu erwähnen, die über die gesamte Spielzeit und sogar bei Livemitschnitten aufrecht gehalten wird. Auch die Aufmachung des Samplers, der mit gepresster CD und mit Farbcover daherkommt, spricht für einen hohen Standart.
Jörg

www.fub-records.de

Donnerstag, 1. April 2010

Mighty Midgets - Raising Ruins for the Future (CD)

Ice Cold Records will's wissen. Und so veröffentlicht das Laatzener DIY-Label nach mehreren CD-Rs nun also den ersten richtig gepressten Silberling. Das Format mag neu sein, die Vorliebe für ausländische Bands hingegen ist der Labelpolitik erhalten geblieben. Nachdem bereits Bands aus Ekuador, Kroatien und der Türkei eine Plattform geboten wurde, ist nun also Dänemark an der Reihe. Von dort kommen nämlich die Mighty Midgets und die verteilen auf ihrem Debüt-Album direkt mal ein musikalisches Backpfeifenkonzert der Spitzenklasse. Zwölf mal geht's angepisst, schnell, brachial, aber dennoch melodisch zur Sache, sodass es nicht nur zum ausgelassenen Violet Dancing im Wohnzimmer einlädt, sondern auch den einen oder anderen Ohrwurm mitbringt. Kaum ein Song ist länger als 2 Minuten und das ist auch gut so. Kurz, knackig und voll auf die Fresse. Geiles Teil und bei einem Preis von 7 Euro inkl. Porto kann man bei diesem super aufgemachten Digipack echt nicht meckern. Fans von Strike Anywhere und Konsorten werden hier voll auf ihre Kosten kommen!
Greffo

www.ice-cold-records.de.vu

Samstag, 27. März 2010

Noesis - s/t (CD)

Bevor ich hier irgendwas über die CD selbst schreiben kann, gebe ich auf Wunsch der Band erstmal eine kleine Begriffserklärung: Der Bandname wird nicht „Nösis“ und nicht „No Oasis“ ausgesprochen, sondern Noésis. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bezeichnet in der platonischen Philosophie die Erkenntnisse von reinen Ideen im Gegensatz zum begrifflichen Denken. Nachdem das geklärt ist, lege ich die CD in den Player und bin von der Produktion richtig hin und weg: Der Sound ist transparent und zugleich druckvoll, klar aber auch kantig genug, um auch das Herz des Schrammelfans höher schlagen zu lassen. Die Lieder erinnern an FEHLFARBEN, haben aber oft einen genauso hohen Anteil an erdigen Alternativrock, sodass sich streckenweise auch PEARL JAM als Vergleichband heranziehen lassen. In ihren teils in deutscher, teils in englischer Sprache gesungenen Texten pendeln Noesis einerseits zwischen Kritik an einer normgebenden Gesellschaft (YAVIS) und Drogenkonsum (STONED LIFE). Bei anderen Liedern wirkt es so, als besuche einer der Textenden ein Priestervorbereitungsseminar (PAX). Insgesamt zieht sich, und hier schließt sich der Kreis zu dem platonisch anmutenden Bandnamen, eine Licht-Schatten-Motivik durch einen Großteil der Texte. Im Dunkel der Nacht treten die vom Weg Abgekommenen auf (ROADKILLER/ STONED LIFE), der Wunsch wird geäußert, dass „diese Nacht vergeht“ (im gleichnamigen Lied), sodass man in der Morgendämmerung die „Freiheit“ begrüßt. Schließlich vergehen im „Sonnenschein“ die „Alpträume“ (GUTEN MORGEN FREIHEIT), um nur einige Beispiele zu nennen. Die CD umfasst 14 Lieder und kommt mit nettem Farbcover daher. Sie kann direkt auf der Homepage der Band bestellt werden. Der hohe Anschaffungspreis von 10,- € zuzüglich Versand ist allerdings nicht unbedingt verbraucherfreundlich.
Jörg

www.noesis-band.com

Knochenfabrik - Ameisenstaat (LP)

Tja, wer hätte das gedacht? Knochenfabrik spielen tatsächlich wieder Konzerte. Und als wenn das nicht schon sensationell genug wäre, gibt es jetzt auf Plastic Bomb Records passend dazu noch mal eine Neuauflage des 97’er Albums Ameisenstaat!
Verpackt in einem neuen Artwork gibt es die ganzen alten Hits und Hymnen jetzt noch mal neu um die Ohren geballert. Ich persönlich finde Songs wie „Grüne Haare“, „Obdachlos und trotzdem sexy“ oder „Glücklich“ nach wie vor großartig. Aber große Worte brauche ich hier wohl nicht mehr zu verlieren, da vermutlich eh fast jeder diesen Klassiker im Schrank stehen hat. Auf wen das nicht zutrifft, der möge sich doch bitte entweder in die Ecke stellen und sich eine Runde schämen oder aber sofort eine Bestellung fertig machen. Echt jetzt!
Greffo

www.plasticbombrecords.de

Freitag, 19. März 2010

Basic Broadcast - The New Understatement (CD-R)

Die Musik von Basic Broadcast könnten unbedarfte Zeitgenossen als Electroclash bezeichnen. Schließlich werden hier ganz eindeutig elektronische Elemente mit Gitarrenmusik verbunden. Doch damit würde man unterstellen, dass es sich hierbei um die Art von Musik handelt, zu der hippe Studenten in angesagten Clubs biologische Limonade trinken und lässig ihre Hüften kreisen lassen. Kurz gesagt, es entstünde ein gänzlich falscher Eindruck, denn was die beiden Zwangsindividualisten Syd und Dynoise sich da zurechtproduziert haben, hat mit nebenher konsumierbarer Unterhaltungsmusik recht wenig zu tun. Auch wenn die ersten Stücke auf THE NEW UNDERSTATEMENT harmonieverliebt und griffig zum Mitwippen verführen, markieren sie damit doch nur die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Den Hörer erwarten in einer Spielzeit von 48 Minuten 23 Lieder, die an der Schmerzgrenze kratzen. Lieder mit bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Gitarren und einen durch die Verwendung eines Megaphons verfremdete Gesang kümmern sich wenig um die Belastbarkeit des Zuhörers und stellen die Spitzen einer Berg- und Talfahrt dar, die im wahrhaft heidnischen „African Heat“ gipfelt. Die Täler der genannten Fahrt reichen allerdings in poppigere Gefilde, in denen man die sanfteren Klänge und wohl arrangiertes Songwriting antrifft. Auf der Reise durch die Köpfe der Broadcaster ist „meaning“ in der „Coffee Mill“ zermahlen, dem Tabak werden ganze Lieder gewidmet und die Geliebte wird zum „Different Kind of Chaos“(was meiner Meinung nach Anrecht auf den Titel Metapher des Jahres hätte!). Der sich trotz aller Abwechslung gelegentlich einschleichende Eindruck von Monotonie ist der recht schlichten Produktion geschuldet. THE NEW UNDERSTATEMENT kann nicht als Tonträger gekauft, sondern nur gratis auf der originell gestalteten Bandhomepage runter geladen werden.
Jörg

www.basicbroadcast.com

Mittwoch, 17. März 2010

Leatherface - The Stormy Petrel (CD)

ENDLICH, ENDLICH! Nach jahrelangem Warten ist es nun endlich soweit und "Leatherface" haben mit "The Stormy Petrel" endlich wieder eine Punkrockscheibe rausgebracht, die definitiv mein Soundtrack zum Frühling sein wird! Ein Ohrwurmsong jagt den nächsten und läßt das geneigte Punkrockerherz im Takt dazu höherschlagen. Frankie Stubbs hat es mal wieder geschafft und Melodien kreiert und in Sonx wie "Broken", "God Is Dead", "My Worlds End" und "Never Say Goodbye" gepackt, die einfach mitreissen und sich nicht wieder aus den Gehörgängen verbannen lassen. Was freue ich mich nun auf das Leatherface Konzert am 30.04. in Münster - das wird ein Fest und ich weiß jetzt schon, dass ich an dem Abend das Grinsen nicht aus dem Gesicht bekommen werde! Großartige Scheibe! Großartige Band!
Frau Esche

www.leatherface.biz

Dienstag, 16. März 2010

Schließmuskel - Sehet, welch ein Untergang (CD)

Diese CD ist für alle die, die noch Stinkbomben schmeißen, anderen Leuten Scheiße in einer brennenden Papiertüte vor die Tür stellen, und die sich köstlich amüsieren können, wenn jemand seinen Furz anzündet. Kurz gesagt: Schließmuskel machen Musik für das Endlich-wieder-14-Gefühl, zumindest haben sie das in den Jahren 1986 bis 89, wie der vorliegenden Tonträger bezeugt. Was die Vier aus Hamminkeln da seinerzeit (muss man wohl sagen) losgetreten haben, ist als Fun-Punk in die Annalen der Musikgeschichte eingegangen und der geht wie folgt: Man nehme eine Topproduktion, die, wie im vorliegenden Fall, riesige Marshalltürme vor dem inneren Auge entstehen lässt, fitte Instrumentalisten, einen Chor, der möglichst beiläufig Beethovens „Ode an die Freude“ in ein Lied trällert, und einen Sänger, der die erreichte Niveaufallhöhe auszunutzen weiß. Und das tut Sangesmeister Schlaffke, der den Jüngeren unter uns vielleicht auch als Zwakkelmann bekannt sein dürfte, durchaus: All die gern tabuisierten Themen wie Nekrophilie, Pornokonsum und Onanie schlagen hier in einer derartigen Dichte auf, dass selbst Hardcoreerwachsene sich eines Schmunzelns nicht erwehren können. Plastic Bomb Records beschert uns die Debüt-EP „Komm, setz´ Dich zu uns“, sowie die ersten beiden LPs „Untergang der abendländischen Kultur“ und „Sehet, welch ein Mensch“ auf einem Tonträger. Genau das Richtige für den nächsten sturmfreien Abend!
Jörg

www.plasticbombrecords.de

Montag, 15. März 2010

Back in Action, Alder!

So sieht's aus! Nach einer längeren Pause geht es nun also wieder weiter. Die Redaktion ist mittlerweile auf 5 Nasen angewachsen und im Sommer gibt's dann endlich die #3. Bis es soweit ist, wird es aber auf dieser neuen Internetpräsenz immer mal wieder aktuelle Dinge und vor allem Rezensionen zu lesen geben. Wer seinen Mist hier auch mal besprochen haben will, darf sich gern melden. Und wer wie Egon Spengler der Meinung ist, dass Gedrucktes tot sei und/oder nicht auf die Papier-Version warten will, der darf sich künftig dank dieses Blogs auch stets auf eine recht zeitnahe Veröffentlichung der Kritik freuen. Die nächsten Tage wird sich die Seite nach und nach mit den ersten Beiträgen füllen. Regelmäßig den Blog verfolgen sollte sich also lohnen.
Bis dahin...
Greffo