Donnerstag, 29. April 2010

Boiler - Alles und nichts (CD)

Boiler sind das deutschsprachige Pendant zu Clawfinger. Und auch wenn die Nachfrage nach 90er Crossover in den letzten Jahren nicht unbedingt angestiegen sein dürfte, hätte dieses Konzept durchaus seine Daseinsberechtigung. Was das Quartett jedoch gänzlich unausstehlich macht, sind die Texte und die Art wie Sänger Howdie diese dem Zuhörer mit einer Stimme, mit der man sich keine Freunde macht, entgegen stöhnt. Wäre es nur so, dass er sich einfach nur nicht ausdrücken könnte, man würde diesen Feierabendlyriker noch irgendwie bedauern, doch die Dreistigkeit, mit der das Sprachrohr der Band in nahezu jedem Lied seine sexuelle Potenz abfeiert, erfüllt mich einfach nur mit Fremdscham. Daher möchte ich auch kein weiteres Wort darüber verlieren.
Jörg

www.boiler-band.de
www.finestnoise.de

Freitag, 23. April 2010

Tischlerei Lischitzki - Kommunikation ist der erste Schritt zum Abbau der eigenen Persönlichkeit (CD)

Im norddeutschen Lüneburg öffnet jeden Morgen der Handwerksbetrieb Tischlerei Litschitzki seine Werkstatt, um all den Ikeamöbelhäusern und Heimwerkern zum Trotz seiner Berufung nachzugehen. Uns liegt hier bereits das dritte Fachwerk „Kommunikation ist…“ vor und das weiß von der ersten Spielminute an seine Herkunft in den schönsten Tönen zu loben. Ja, schon der Sound macht klar, dass hier nur die besten Materialien verwendet wurden, die durch eine gekonnte Verarbeitung durch ein handfestes Instrumentalspiel ohne viel Hang zu überflüssigen Verschnörkelung ein solide Äußeres erhalten. Der Stift in der Tischlerei stellt bestimmt wenig überflüssige Fragen, denn die Stimme des Meisters gibt unmissverständlich zu verstehen, wo es lang geht. Wer sich die Mitarbeiter jetzt allerdings als lustige Handwerksgesellen vorstellt, geht fehl. Die Tischlerei befindet sich der schlechtesten aller Welten, auf die die Tischler entsprechend wütend reagieren. Wie der Titel schon vermuten lässt, wird die Persönlichkeit von allen Seiten bedroht: Jedes Massenmedium ist ein Organ zur Manipulation, die Gesellschaft betoniert die natürlichen Wege der Menschheit zu, auch die unabhängig wirkendne Punkbands und -label sind allein von kommerziellen Interessen getrieben, schließlich bleibt jedem nur noch der Stillstand als Ausweg. Selbst König Midas, dessen Fluch es immer war, alles durch seine Berührung in Gold zu verwandeln, macht hier alles Gold zu Dreck.
Jörg

www.tischlereilischitzki.de
www.elfenart.de

Mittwoch, 7. April 2010

Assophon - Sternenstaub (CD)

Hinter dem Pseudonym Assophon verbirgt sich Club Déjà-vu Frontmann Florian Führer, der wirklich so heißt und gern mal damit angibt. Wer die Band kennt, der wird sich jetzt in etwa ausmalen können, in welche Richtung das Ganze hier textlich geht. Grenzdebile Lyrik über gescheiterte Existenzen, Alkohol, Frauen... das Übliche halt. Und wenn der Inhalt auch das Selbe in grün sein mag, so hebt sich die Verpackung dann doch ziemlich von der seiner Bandaktivitäten ab. Statt Punkrock wird hier feinster elektronischer Krach dargeboten, für den teilweise unüberhörbar Sputnik Booster als Quelle der Inspiration herhalten mussten. C-64-Gedudel, schräge Synthies, sowie hier und da mal 'ne Gitarre sorgen für den einen oder anderen Ohrwurm. Und wer dann noch "Heat of the Moment", Knochenfabrik und den Titelsong der alten He-Man Trickserie covert, kann ohnehin kein schlechter Mensch sein. Absolute Kaufempfehlung!
Greffo

www.myspace.com/assophon
www.myspace.com/subwix

Montag, 5. April 2010

V/A - Der Verlorene Song (CD)

Frivol und Billig Records ist, wie wir spätestens seit der letzten SM-Ausgeabe wissen, ein kleines DIY Label dem baden- württenbergischen Pforzheim und hat den vorliegenden Sampler „Der verlorenen Song“ veröffentlicht. Schon der Titel macht klar, dass es hier nicht unbedingt darum ging, ein homogenes Gesamtwerk zu schaffen. Notwendige und hinreichende Bedingung bei der Liedauswahl war offensichtlich, dass sie, die Lieder, noch nirgendwo anders veröffentlicht worden sind. Dementsprechend bunt fällt der Sampler dann auch aus. Und was da bisher noch nirgendwo anders veröffentlicht worden ist, passt zu großen Teilen durchaus ins Pforzheimer Festzelt. Denn hier geben sich neben Liedermachern, Metalbands und Elektro- bzw. Sprechgesangsprojekten auch Rockpop- und Schlagerbands die Klinke in die Hand. Darüber hinaus ist die hohe Klangqualität zu erwähnen, die über die gesamte Spielzeit und sogar bei Livemitschnitten aufrecht gehalten wird. Auch die Aufmachung des Samplers, der mit gepresster CD und mit Farbcover daherkommt, spricht für einen hohen Standart.
Jörg

www.fub-records.de

Donnerstag, 1. April 2010

Mighty Midgets - Raising Ruins for the Future (CD)

Ice Cold Records will's wissen. Und so veröffentlicht das Laatzener DIY-Label nach mehreren CD-Rs nun also den ersten richtig gepressten Silberling. Das Format mag neu sein, die Vorliebe für ausländische Bands hingegen ist der Labelpolitik erhalten geblieben. Nachdem bereits Bands aus Ekuador, Kroatien und der Türkei eine Plattform geboten wurde, ist nun also Dänemark an der Reihe. Von dort kommen nämlich die Mighty Midgets und die verteilen auf ihrem Debüt-Album direkt mal ein musikalisches Backpfeifenkonzert der Spitzenklasse. Zwölf mal geht's angepisst, schnell, brachial, aber dennoch melodisch zur Sache, sodass es nicht nur zum ausgelassenen Violet Dancing im Wohnzimmer einlädt, sondern auch den einen oder anderen Ohrwurm mitbringt. Kaum ein Song ist länger als 2 Minuten und das ist auch gut so. Kurz, knackig und voll auf die Fresse. Geiles Teil und bei einem Preis von 7 Euro inkl. Porto kann man bei diesem super aufgemachten Digipack echt nicht meckern. Fans von Strike Anywhere und Konsorten werden hier voll auf ihre Kosten kommen!
Greffo

www.ice-cold-records.de.vu