Donnerstag, 3. Juni 2010

The Bullfight - Stranger than the Night (CD)

Nein, Nick Cave denkt noch nicht ans Aufhören. Gottbewahre! Wieso sollte er auch? Mit Grinderman hat er der Welt einmal mehr bewiesen, dass er noch so manches Eisen im Feuer hat. Sollte man aber doch einmal einen Nachfolger für ihn bestimmen müssen, so würde ich die niederländische Band The Bullfight vorschlagen. Die spielen und schreiben in Caves Tradition, ohne „The Secret Life of Love Songs“ übermäßig studiert zu haben und so können sie für sich das Attribut geil geil geil beanspruchen. Chansoneske Musik mit Hammondorgel und Violine, von der Band selbstbewusst als Pop Noir bezeichnet, zieht den Korken aus jeder Rotweinflasche und vermag jede Tageszeit in eine Vollmondnacht zu verwandeln. Dazu lässt der dunkle Bariton des Sängers Nick Verhoeven die Herzen schmelzen und wird gelegentlich auf höchst angenehme Weise durch die lieblich spröde Stimme Linda Kreuzens ergänzt, die (vielleicht glücklicherweise) keine Kylie Minogue ist. Passend zur düsteren Atmosphäre der Musik wird man von den Texten in surrealistische Szenen jenseits von Gut und Böse entführt. Schauplatz ist das Rotlichtmilieu, in dem das Schöne und das Hässliche, Leben, Liebe und Tod näher beieinander liegen als in irgendeiner anderen Welt. Für mich hat „Stranger than the Night“ durchaus das Potential unter den zehn wichtigsten Alben dieses Jahres zu landen und daher möchte ich jeden, der nicht Chansonmusik und/oder Nick Cave grundsätzlich ablehnt, für dieses Album begeistern und meine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen.
Jörg

www.thebullfight.nl
www.finestnoise.de