Montag, 21. Juni 2010

Gary - One Last Hurrah to The Lost Beards Of Pompeji (CD)

Im Mai diesen Jahres erschien Gary´s „One Last Hurrah to The Lost Beards Of Pompeji”, das zweite Album des Berliner Powerpoptrios, dessen Kopf, Robert Stadlober, den meisten von uns als Darsteller in Filmen wie „Sonnenallee“, „Crazy“ und „Verschwende Deine Jugend“ bekannt ist. In letzterem spielt er sogar einen Bandleader, der seine eigenen Songs schreibt und auf der Bühne voll abrockt. Was sich aber auf der Leinwand ganz gut ausnimmt, wird für die Band Gary zu einem regelrechten Fluch. Mit dem Wissen um ihren Frontmann denkt man sich die Band leicht als das Hobbyprojekt eines Schauspielers, das nur wegen dessen Bekanntheit überhaupt dem Probekeller entwachsen ist. Zur Musik: Vergleicht man die neue Gary mit dem acht Jahre zuvor veröffentlichten Debüt „The Lonely Cnorve Machine“, so fällt ein deutlicher Wechsel der Referenzbands ins Ohr. Während der Vorläufer mit seinen schrulligen Indieklängen und seiner verzerrten Kantigkeit stellenweise an eine Mischung zwischen Sebadoh und Jimmy Eat World erinnert, weist Gary´s Neue eine nicht zu leugnende Nähe zu den Lemonheads auf. Insgesamt klingen die Lieder reifer und ausgetüftelter. Am Mikrofon ergänzt Astrid Noventas Stimme die Stadlobers ganz hervorragend und lässt so wunderschöne Harmonien entstehen, die mich bisweilen an eine von innerer Schwermut befreite Version von The Decemberists erinnern. Thematisch bleiben die Lieder in einem überschaubaren Rahmen des Privatlebens. Das eingängige „John Peel and the Dragon of Steel“ ist der britischen Radio-DJ-Legende gewidmet und „The Summer oft the Century“, meiner persönlichen Lieblingsnummer, beschreibt in schlichter Schönheit eine Sommerliebe. Insgesamt klingt „One Last Hurrah To The Lost Beards Of Pompeji“ glücklicherweise nicht wie eine Ich-kann-nicht-nur-Schauspieler-Platte eines Auch-Musiker. Durch Finesse und Charme kann sich Gary´s Neue gegen solchen Klischees, die Alben von singenden Schauspielern oft zurecht anhaften, behaupten. Sie ist sicherlich kein Meilenstein der Musikgeschichte, sondern einfach nur eine nette Platte eines nicht mehr ganz neuen Berliner Powerpoptrios.
Jörg