Freitag, 2. Juli 2010

Mofa - Punk Rock Fuck Off (CD)

Im beschaulichen Kölner Stadtteil Mülheim gab es einmal fünf musikalisch nicht unbegabte Jungs, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, eine Deutschpunkband nach dem Vorbild der Schlachtrufe BRD-Sampler zu gründen. Sie nannten sich Se Sichelzecken und ihnen gelang etwas, das sich ohne zu übertreiben als eine kleine Sensation in dieser Musiksparte bezeichnen lässt: Wo andere Deutschpunkbands nach Schema F Funpunk mit ´ner Priese „Nazis raus“ auf den immergleichen Akkorden runterleiern, kreierten Se Sichelzecken tatsächlich etwas Neues. Sie paarten Mülheimer Asi-Chic mit Stromgitarren und feierten sich von Texten des 80er Hardrocks inspiriert in an Größenwahn reichender Selbstüberschätzung ab. Spätestens nach dem Erscheinen ihres Albums „Was soll das sein eine Generation?“ stand außerfrage, dass hier etwas Neues und Aufregendes stattfand, das es auf jeden Fall im Auge zu behalten galt.
Doch dann kam alles anders. Ich kann nicht sagen, ob der erwartete Erfolg ausblieb, oder ob die Jungs vielleicht auch nur sahen, was sie da zustande gebracht hatten, jedenfalls entschied man sich dazu, die DIY-Strukturen zu verlassen und bei dem mittelgroßen Indiependentlabel Hamburg Records nach den Sternen zu greifen. Um in der Ellenbogengesellschaft der kommerziellen Musikindustrie zu bestehen, dünnte das Quintett auf vier Köpfe aus, tauschte den Bandnamen in „Mofa“ und verlor irgendwo zwischen Köln Mülheim und der großen weiten Welt bedauerlicherweise auch das, was es einst so einzigartig gemacht hatte. Ich weiß nicht, wie ich den vorliegenden Tonträger mit dem bezeichnenden Titel „Punk Rock Fuck Off“ gefunden hätte, wenn mir die Vorgeschichte der Band nicht bekannt gewesen wäre, aber was da jetzt so locker flockig aus den Boxen kommt, klingt wie die angepasste Version von etwas, das ich mal gut gefunden habe. Dass Lieder wie „Im Gras“, „Flatscreen Revolution“ und auch die Single „Tiger“ durchaus gelungen sind, gebe ich allzu gerne zu. Auch klingt die Musik aufwendig produziert und die Chöre, die seit jeher eine große Stärke dieser Band sind, könnten kaum mit mehr Raffinessen aufwarten. Doch leider reicht das alles nicht aus, um von den Längen und der Eindimensionalität dieser Platte abzulenken. Für die zweiten müsste, wenn es nach mir ginge, die Devise „Back to the Roots“ lauten.
Jörg

www.mofamusic.de