Montreal ist eine Band aus dem Hamburg Records-Stall und diese Herkunft scheint zu einem bestimmten Sound zu verpflichten. Der zeichnet sich neben seiner Nähe zum Punkrock vor allem durch Stadionrock-eske Gitarrenmauern und mehrstimmige Chöre aus. Für alle, denen das nicht viel sagt, der Klang des Hamburger Trios lässt sich leicht mit dem der Ärzte vergleichen, hat aber zugleich einige Berührungspunkte mit dem US-amerikanischen Melodic-Core. Textlich spielen Montreal in einer Liga mit Fettes Brot und Farin Urlaub, denn es gelingt ihnen, ohne übertriebenen Kitsch, dafür mit wohl gewählten und klug gereimten Worten authentische Alltagsszenen aus den Leben dreier Twens zu erzählen. Ok, bei „Wir sind die Gang“ funkelt noch eine voradulte Albernheit durch. Dafür trifft ein reiferer, ja leicht zynischer Umgang mit den Problemen des Lebens in Stücken wie „Dein neuer Freund und ich“ oder „Das letzte Lied für Dich“ deutlich in den Vordergrund. Das mittlerweile vierte Studioalbum von Montreal sollte am Stück gehört werden. Zumindest würde es mir sehr schwer fallen, die Single zu bestimmen. Denn wenngleich es keine Ausfälle auf dem selbstbetitelten Album gibt, ragt auch kein einziges Stück in der Weise hervor, dass es in einer Radioplaylist oder an einem Abend in der Indie-Disco ganz besonders ins Ohr treffen würde.Jörg
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