Montag, 17. Mai 2010

Jet Love - Intergalactic Transmission (CD-R)

Schon direkt das erste Lied dieses Silberlings wirft bei mir die Frage auf, was bei einer Demo wichtiger ist. Die Authentizität oder die Soundqualität? Die drei Herren aus Flensburg lehnten es bei der Produktion dieser CD-R ab, konventionelle Wege zu gehen und versuchten viel mehr, so viel Proberaum wie möglich mit in die Aufnahmen zu bringen. Das ehrt sie natürlich, aber meiner Meinung nach ist das hier schon wieder viel zu viel Proberaum. Auch wenn es ja offensichtlich beabsichtigt ist, aber ich hab wirklich schon Kassettenrekorderaufnahmen gehört, die besser klangen und so gestaltet sich das Hören der sieben Songs nicht unbedingt als das allergrößte Vergnügen. Und das ist eigentlich ziemlich schade, denn Jet Love können musikalisch echt so einiges! Ein paar schöne Punk’n Roll Nummern mit ’nem gehörigen Trash-Faktor gibt es hier zwischen jeder Menge Gerausche und Feedbacks um die Ohren. Kommt live sicher ziemlich gut, aber aus der Konserve haut es mich dann aufgrund der Soundqualität eher nicht um.
Greffo

www.myspace.com/lovejet

Take Shit - Was is'n nu mit Revolution? (CD)

Also für das Cover wäre hier schon mal die volle Punktzahl drin, wenn es im Snake Mountain ein derartiges Bewertungssystem gäbe. Das ist so unglaublich hässlich, dass es schon wieder cool ist. Und der Plattentitel ist auf jeden Fall auch ’ne berechtigte Frage und wohl an die ganzen Kapellen gerichtet, die mit revolutionären Texten nur so um sich werfen und letzten Endes doch nur die gängigen Klischees bedienen. Das ist sicherlich ein guter Ansatz, aber über gute Ansätze gehen die zum Teil politisch motivierten Songs von Take Shit dann selbst leider auch nicht hinaus, sodass man sich auf der Suche nach der Antwort dann doch eher im Kreis dreht… Ansonsten versucht man es hier mehr oder weniger erfolgreich auf die eher humoreske Tour. Und auch wenn sich die Band scheinbar selbst nicht allzu ernst nimmt - bei Textzeilen wie „Punkrock stört den Fascho sehr, Punkrock schallt vom Berg zum Meer […] Punkrock singt von Alkohol, Punkrock ist kein Blumenkohl“ denke ich mir dann auch lieber meinen Teil…
Greffo

www.takeshit.de

V/A - Schlachtrufe BRD IX (CD)

Kennt ihr das, wenn ihr die Fortsetzung eines guten Films schaut und irgendwann feststellt, dass es nichts weiter als ein lahmer Versuch ist, aus dem Franchise noch ein wenig Kapital zu schlagen? Ein ähnliches Gefühl beschleicht mich nämlich beim Hören des mittlerweile schon neunten Teils dieser altbekannten Sampler-Reihe, auf dem sich Bands wie Atemnot, Take Shit, Einsturz, Ladehemmung oder die Kafkas tummeln. Insgesamt 26 mal eher durchschnittlicher Deutschpunk ohne wirkliche Ausreißer nach oben. Schade eigentlich…
Greffo

Dante's Dream - Episodes (CD)

Im schlichten weißen Cover mit ebenso schlichtem Schriftzug kommt „Episodes“, das Debüt der Leipziger Band Dante´s Dream, daher und man weiß zuerst nicht so recht, wohin man sie stecken soll. Zuerst einmal die CD in den Player und da immer noch so viele Menschen, wie ich gerade, das Buch nach seinem Umschlag, die CD nach ihrem Cover beurteilen wollen, hat die Band die minimalistischen Gestaltung ganz zurecht gewählt. Wo die Verbindung zum italienischen Dichter Dante Alighieri besteht, ist mir ein Rätsel geblieben, das Träumerische jedoch fällt bereits beim mit Froschgequake untermalten Opener „Dante´s Theme“ direkt ins Ohr. Insgesamt geht es ruhig zur Sache. Das Quartett zelebriert mit einer wunderbaren Verspieltheit und progressiven Instrumentalparts, bei denen neben Gitarren auch Keyboards, Flöten und Streicher zum Einsatz kommen, eine Art Rotwein-bei-Vollmond-Feeling. Das und die Powerpopausbrüche bei Stücken wie „Insane, they say“ machen „Episodes“ zu einer Perle der Indiemusik, die allerdings, weil der Tonträger insgesamt seine Längen hat, leider etwas von ihrem Glanz einbüßt.
Jörg

www.dantesdream.de
www.finestnoise.de

Donnerstag, 13. Mai 2010

Die Kolporteure - Einmal damals und zurück (CD)

Das Haus Nix Gut beschert uns die CD der Deutschpunkrocker KOLPORTEURE. Der Silberling enthält eine Auswahl an Outtakes, Samplerbeiträgen und Proberaummitschnitte. Hierdurch lassen sich die Schwankungen der Aufnahmequalität zwischen den verschiedenen Stücken erklären. Trotz des nicht zu leugnenden Klangunterschiedes ist die Band aber bemüht ein gewisses Mindestmaß an Hörgenuss nicht zu unterschreiten. Musikalisch erinnert mich das Berliner Quintett streckenweise an SLIME. Vor allem die ersten Stücke kesseln so richtig schön los und könnten, ohne ihnen die musikalische Eigenständigkeit absprechen zu wollen, auch auf SCHWEINEHERBST enthalten sein. Leider gelingt es den Kolporteuren nicht auch an das textliche Niveau dieses Vorbilds anzuknüpfen. Zwar werden inhaltlich typische Themen verarbeitet, die insgesamt auf eine Kritik an einer kranken Gesellschaft zielen, aber leider springt (zumindest bei mir) der Funke nicht wirklich über.
Jörg

www.kolporteure.de

Mittwoch, 12. Mai 2010

Fucking Werewolf Asso - Kid just letting you know we're doing it again (CD)

Was ursprünglich als elektronisches Ein-Mann-Projekt startete, ist mittlerweile zu einer bühnentauglichen Zwei-Mann-Combo mit Schlagzeuger mutiert. Aber ausser der Tatsache, dass die Drums nun nicht mehr aus der Konserve kommen, hat sich nicht viel verändert. Weiterhin gibt es schräge 8 Bit Klänge und Melodien, die sowohl bei Fans des Sega Mega Drives, als auch bei alten Super Nintendo-Zockern wahre Glücksgefühle auslösen dürften. Dazu gibt es einen hysterischen, schrillen, sowie hohen Gesang, bei dem nicht unbedingt sofort klar ist, ob es sich da nun um einen Mann oder eine Frau handelt und fertig ist ein 10 Stücke umfassendes Album, welches sicherlich das Potenzial hat, von dem einen oder anderen den Stempel "anstrengend" aufgedrückt zu bekommen. Ich hingegen krame aber lieber den "grandios"-Stempel raus, denn ich finde die CD von vorne bis hinten klasse. Leute, die Les Trucs, Gtuk und Co. mögen, können hier absolut nichts falsch machen. Tipp!
Greffo

www.myspace.com/fuckingwerewolfasso
www.alleycat.se
www.rookie-records.de