Donnerstag, 24. Juni 2010

A Boy named Fisk - s/t (CD)

A Boy Named Fisk sind wohl das heißeste, was Köln zurzeit zu bieten hat. Und das liegt vielleicht daran, dass man ihrer Musik weder Domstadt noch überhaupt Bundesrepublik anhört. Dem Klang nach hätten wir die Combo nämlich als aus Großbritannien stammend vermutet, wo sie zwischen Arktischen Monkeys und Franz Ferdninändern entstanden sein könnten. Das gilt speziell für die Rhythmussektion, denn der schleppende Disco-Beat dürfte auf der Tanzfläche so manches Hinterteil zum Wackeln bringen und muss sich hinter dem der genannten Bands keinesfalls verstecken! Die selbstbetitelten Debüt-EP enthält fünf Knaller, die garagiger produziert als die Werke der oben angegeben Referenzbands sind und einen klaren Rekurs auf die achtziger Jahre erkennen lassen. Die mit reichlich Popappeal, flinken Off-Beat-Gitarren und einem Wahnsinnsgespür für eingängige Harmonien versehenen Songs lassen die 13:30 Gesamtspielzeit wie im Flug vergehen und machen Appetit auf einen Longplayer, der diesem durch und durch gelungenen Debüt hoffentlich bald folgen wird. Auf der Homepage der Band sind diese Songs übrigens als Download erhältlich-für ´nen 5er kann/sollte man sich dieses Kleinod in gepresster Form zuschicken lassen.
Jörg & Niklas

www.myspace.com/aboynamedfisk

Montag, 21. Juni 2010

Gary - One Last Hurrah to The Lost Beards Of Pompeji (CD)

Im Mai diesen Jahres erschien Gary´s „One Last Hurrah to The Lost Beards Of Pompeji”, das zweite Album des Berliner Powerpoptrios, dessen Kopf, Robert Stadlober, den meisten von uns als Darsteller in Filmen wie „Sonnenallee“, „Crazy“ und „Verschwende Deine Jugend“ bekannt ist. In letzterem spielt er sogar einen Bandleader, der seine eigenen Songs schreibt und auf der Bühne voll abrockt. Was sich aber auf der Leinwand ganz gut ausnimmt, wird für die Band Gary zu einem regelrechten Fluch. Mit dem Wissen um ihren Frontmann denkt man sich die Band leicht als das Hobbyprojekt eines Schauspielers, das nur wegen dessen Bekanntheit überhaupt dem Probekeller entwachsen ist. Zur Musik: Vergleicht man die neue Gary mit dem acht Jahre zuvor veröffentlichten Debüt „The Lonely Cnorve Machine“, so fällt ein deutlicher Wechsel der Referenzbands ins Ohr. Während der Vorläufer mit seinen schrulligen Indieklängen und seiner verzerrten Kantigkeit stellenweise an eine Mischung zwischen Sebadoh und Jimmy Eat World erinnert, weist Gary´s Neue eine nicht zu leugnende Nähe zu den Lemonheads auf. Insgesamt klingen die Lieder reifer und ausgetüftelter. Am Mikrofon ergänzt Astrid Noventas Stimme die Stadlobers ganz hervorragend und lässt so wunderschöne Harmonien entstehen, die mich bisweilen an eine von innerer Schwermut befreite Version von The Decemberists erinnern. Thematisch bleiben die Lieder in einem überschaubaren Rahmen des Privatlebens. Das eingängige „John Peel and the Dragon of Steel“ ist der britischen Radio-DJ-Legende gewidmet und „The Summer oft the Century“, meiner persönlichen Lieblingsnummer, beschreibt in schlichter Schönheit eine Sommerliebe. Insgesamt klingt „One Last Hurrah To The Lost Beards Of Pompeji“ glücklicherweise nicht wie eine Ich-kann-nicht-nur-Schauspieler-Platte eines Auch-Musiker. Durch Finesse und Charme kann sich Gary´s Neue gegen solchen Klischees, die Alben von singenden Schauspielern oft zurecht anhaften, behaupten. Sie ist sicherlich kein Meilenstein der Musikgeschichte, sondern einfach nur eine nette Platte eines nicht mehr ganz neuen Berliner Powerpoptrios.
Jörg

Freitag, 4. Juni 2010

Steelbone - Don't crush your Head (CD)

Wer bei dem Namen Steelbone an eine Schülerband denkt, vermutet richtig. Wer darüber hinaus annimmt, dass die was mit Heavy Metal zu tun haben müssen, hat eine gute Intuition. Das Cover des vorliegenden Tonträgers verstärkt diese Eindrücke, denn es sieht aus, als wäre es in einer langen Mathedoppelstunde in der siebten und achten Stunde unter dem Pult entworfen worden. So wie die Adoleszenz der Bandmitglieder ist auch die Musik in ihrer Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Zwischen Korn und den Guano Apes, Moshgrooves und Nachdenklichkeit, echtem Gefühl und begrenztem Ausdruckvermögen ist Steelbone eine Band, die noch auf dem Weg zu sich selbst ist, und das zu finden noch vor sich hat, was sie im Innersten zusammenhält. Für mich ist „Don´t Crush Your Head“ ein Beispiel dafür, dass die fortschreitende technische Entwicklung es mittlerweile bereits Schülerbands ermöglicht, qualitativ hochwertige Tonträger zu produzieren. Der Rest muss sich im Fall von Steelbone halt noch finden.
Jörg

www.steelbonerocks.de
www.finestnoise.de

Donnerstag, 3. Juni 2010

Mofakette - Rest-Schluck (CD)

Was ist eigentlich so geil an an diesen kleinen Zweirädern, dass immer mehr Bands sie in ihren Namen einbauen? Nach Mofagang, Mofabande und mindestens einem Dutzend total innovativer Bands, die sich einfach nur Mofa nennen, nun also auch noch Mofakette. Was kommt als nächstes? Mofaführerschein? Mofatuning? Man darf gespannt sein... Gespannt war ich wiederum, ob ich damit richtig lag, mit dem Schlimmsten zu rechnen. Der Bandname in stilsicherer Kombination mit diesem Cover schreckt dann ja doch erstmal ein wenig ab. Und während ich zu den Klängen des ersten Liedes eigentlich schon nach coolen Formulierungen für einen gehörigen Verriss grübel, hält mich das nächste Lied dann schon wieder davon ab. Der musikalische Rest-Schluck benötigt erstmal ein wenig Zeit, um sich den Weg aus dem Flaschenhals zu bahnen, entwickelt sich dann aber doch noch zu einem ordentlichen Tropfen. Die drei Stuttgarter sind verdammt fit an ihren Instrumenten und bieten dem Hörer nach einem holprigen Start sogar den einen oder anderen Ohrwurm. Klar, das Punkrock-Rad V2.0 ist das hier nicht und textlich driftet man oft ins Belanglose ab, aber alles in allem ist das schon recht ordentlich und dürfte unter den jüngeren Punkern sicher viele Anhänger finden.
Greffo

www.myspace.com/mofakette
www.rookierecords.de

The Bullfight - Stranger than the Night (CD)

Nein, Nick Cave denkt noch nicht ans Aufhören. Gottbewahre! Wieso sollte er auch? Mit Grinderman hat er der Welt einmal mehr bewiesen, dass er noch so manches Eisen im Feuer hat. Sollte man aber doch einmal einen Nachfolger für ihn bestimmen müssen, so würde ich die niederländische Band The Bullfight vorschlagen. Die spielen und schreiben in Caves Tradition, ohne „The Secret Life of Love Songs“ übermäßig studiert zu haben und so können sie für sich das Attribut geil geil geil beanspruchen. Chansoneske Musik mit Hammondorgel und Violine, von der Band selbstbewusst als Pop Noir bezeichnet, zieht den Korken aus jeder Rotweinflasche und vermag jede Tageszeit in eine Vollmondnacht zu verwandeln. Dazu lässt der dunkle Bariton des Sängers Nick Verhoeven die Herzen schmelzen und wird gelegentlich auf höchst angenehme Weise durch die lieblich spröde Stimme Linda Kreuzens ergänzt, die (vielleicht glücklicherweise) keine Kylie Minogue ist. Passend zur düsteren Atmosphäre der Musik wird man von den Texten in surrealistische Szenen jenseits von Gut und Böse entführt. Schauplatz ist das Rotlichtmilieu, in dem das Schöne und das Hässliche, Leben, Liebe und Tod näher beieinander liegen als in irgendeiner anderen Welt. Für mich hat „Stranger than the Night“ durchaus das Potential unter den zehn wichtigsten Alben dieses Jahres zu landen und daher möchte ich jeden, der nicht Chansonmusik und/oder Nick Cave grundsätzlich ablehnt, für dieses Album begeistern und meine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen.
Jörg

www.thebullfight.nl
www.finestnoise.de