Freitag, 23. Juli 2010

ALMO - Melodien aus der Hülbe (MC)

Kleine gelangweilte Kinder mit zu viel Phantasie und noch mehr Freizeit machen mehr schlecht als recht so etwas ähnliches wie Musik, nehmen den Mist mit dem Kassettenrekorder der großen Schwester auf und kommen sich dabei auch noch verdammt cool vor. 15 Jahre später finden sie die Aufnahmen auf dem Dachboden wieder und anstatt die Magnetbänder zu vernichten und für immer den Mantel des Schweigens über ihre akustischen Jugendsünden zu hüllen, kommen die zwei Herrschaften sich immer noch verdammt cool vor und beschließen, ein Label zu suchen, welches den ganzen Quatsch noch mal via Kassette auf die Menschheit loslässt. Der gute Aldi, dem ja bekanntermaßen nichts zu peinlich ist, lässt sich nicht zwei Mal bitten und das Ergebnis liegt mir hier nun vor. Mit Instrumenten wie dem Klopfteil oder der Hui-Pfeife untermalt, gibt es hier Lieder wie „Stiftbefummler Jack“, „Batterienarsch“, „Ich bin blöd“ oder aber auch den „Mäuserap“. Seite A sorgt noch für den einen oder anderen Lacher, auf Seite B geht mir das Ganze dann schon leicht auf die Eier und nach 45 Minuten bin ich dann irgendwie ganz froh, dass es vorbei ist. Die Melodien aus der Hülbe bieten sicher ein paar Hits, aber weniger ist manchmal mehr. Maximal eine halbe Stunde von diesem Krach hätte es auch getan, denn irgendwann wird’s echt verdammt anstrengend. Kommt zudem mit Farbcover und Sammelposter und kann mittlerweile auch auf der Myspace-Seite gratis herunter geladen werden...
Greffo

www.myspace.com/almo4ever
www.myspace.com/aldipunk

Überdosisnichts - Land der Kompromisse (CD)

„Stiftung Punktest: Sehr gut“ steht ganz keck vorne auf dem Cover dieses Silberlings. Und dass so ein Gag auch mal ganz leicht nach hinten losgehen kann, beweisen die 13 Songs auf dem 4. Album von Überdosisnichts dann leider recht eindrucksvoll. Sehr gut sind hier nämlich weder die Texte, noch ist es die musikalische Untermalung. Okay, kommt die Band an den Instrumenten zumindest noch ganz gut weg, so sind die lyrischen Ergüsse dann doch eher grausig. Insgesamt gibt es hier elf mal allenfalls durchschnittlichen Deutschpunk und der Abwechslung halber nochmal zwei im halbwegs ordentlichen Realschulenglisch verfasste Songs. Also, glaubt der Stiftung Punktest nicht alles und macht euch besser vorher selbst ein Bild davon. Mich persönlich reißt es jedenfalls nicht vom Hocker.
Greffo

Montag, 5. Juli 2010

Che Guevara T-Shirt – Stochastic Models of Che Guevara T-Shirt (CD)

New York ist ja seit je her bekannt als Quelle für zugleich eigenwillige und richtungsweisende kulturelle Strömungen. Sei es in der Kunst die Pop Art des Herrn Warhols oder Jacksons Pollocks Action Paintings oder in der Musik Bands wie The Velvet Underground oder Sonic Youth. Mit Che Guevara T-Shirt haben wir hier die neuen jungen Wilden vom Big Apple. Bei dem vorliegenden „Stochastic Models of Che Guevara T-Shirt“ handelt es sich um das Debüt des Trios und das hat es in sich. Ob durch Superfuzz oder Big Muff, für die Gitarrenarbeit scheint Thurston Moore Pate gestanden zu haben. Zugleich weicht die Bearbeitung der Sechssaiter in Punkto Sauberkeit und Ordnungsliebe von diesem Vorbild ab. Die Che Guevara T-Shirt-Gitarren sind dreckig, klingen bisweilen kaputt und folgen in ihrer rostiger Sperrigkeit manchmal nur sehr widerwillig der übrigen Musik. Diese wird im bandeigenen Beat durch die Rhythmusgruppe kantig und hölzern vorangetrieben. Vor allem das ekstatischen „Work for Sleep“ erinnert gesanglich an Isaac Brock der frühen Modest Mouse, mit dem der Sänger in Punkto Timbre ohnehin eine gewisse Ähnlichkeit aufweist. Wie bei einem Livekonzert vollzieht sich auf „Stochastic Models of Che Guevara T-Shirt“ über die Spielzeit eine Entwicklung: Kommt der Opener „The Recieving End“ noch etwas schüchtern und holprig, scheint überhaupt erst im zweiten Stück „Sabrina“ der Rhythmus zu sich gefunden zu haben, läuft die Combo in der Mitte der Spielzeit zur Höchstform auf, um schließlich bei „Metal and Life“ und „Tapped Again“, den letzten beiden Stücken, in finale Noiseeskapden auszubrechen. Für Freunde von Mathrock und coolen Bandnamen sind Che Guevara T-Shirt eine Entdeckung.
Jörg

http://ksonin.com/cgt/cgt.htm

Sonntag, 4. Juli 2010

V/A - Deutschpunk Balladen Vol. 2 (CD)

Uff, das ist alles andere als leichte Kost! 18 Deutschpunk-Kapellen schalten hier mal 2, 3 Gänge runter oder greifen gar zur Akustik-Klampfe. Das Konzept mag ja ganz nett sein und der eine oder andere Song mag einzeln vielleicht auch noch ganz okay klingen… aber insgesamt? Ich sag’s mal so: Ich hab beim Hören dieses Samplers das Fenster zugemacht und leiser gedreht, weil es mir echt schon peinlich war. Sorry, aber das ist echt mehr als grausam…
Greffo

No Shame - Ironing Day (CD)

Heute ist Bügeltag - und zwar mit jeder Menge Dampf dahinter!
Mit ihrem fünften Album präsentieren die Finnen von No Shame zwölfmal Polit-Punk der Extraklasse. Trotz Titel wie „Fuck The System" ist hier weder musikalisch noch lyrisch eine Neuauflage von The Exploited zu erwarten - vielmehr beweist das Quartett in Liedern wie „Better Drunk Than Part Of The Machine“, dass es seine Funktion als Kritiker ironisch brechen kann. Die Musik spricht für sich selbst. Kompromisslos tight brettern schnörkellos Gitarre, Bass und Schlagzeug nach vorn und ziehen mit catchigen Refrains immer wieder den Hörerfisch an Land. Aber auch die ruhigeren Momente und eine Topproduktion machen „Ironing Day“ zu einem echten Hinhörer. Man fühlt sich doch des öfteren an Bombshell Rocks und Anti-Flag erinnert-für Fans genannter Gruppen kann es nur heißen: „Consume And Buy, Buy, Consume!!!"
Jörg & Niklas

www.rookie-records.de

Freitag, 2. Juli 2010

Mofa - Punk Rock Fuck Off (CD)

Im beschaulichen Kölner Stadtteil Mülheim gab es einmal fünf musikalisch nicht unbegabte Jungs, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, eine Deutschpunkband nach dem Vorbild der Schlachtrufe BRD-Sampler zu gründen. Sie nannten sich Se Sichelzecken und ihnen gelang etwas, das sich ohne zu übertreiben als eine kleine Sensation in dieser Musiksparte bezeichnen lässt: Wo andere Deutschpunkbands nach Schema F Funpunk mit ´ner Priese „Nazis raus“ auf den immergleichen Akkorden runterleiern, kreierten Se Sichelzecken tatsächlich etwas Neues. Sie paarten Mülheimer Asi-Chic mit Stromgitarren und feierten sich von Texten des 80er Hardrocks inspiriert in an Größenwahn reichender Selbstüberschätzung ab. Spätestens nach dem Erscheinen ihres Albums „Was soll das sein eine Generation?“ stand außerfrage, dass hier etwas Neues und Aufregendes stattfand, das es auf jeden Fall im Auge zu behalten galt.
Doch dann kam alles anders. Ich kann nicht sagen, ob der erwartete Erfolg ausblieb, oder ob die Jungs vielleicht auch nur sahen, was sie da zustande gebracht hatten, jedenfalls entschied man sich dazu, die DIY-Strukturen zu verlassen und bei dem mittelgroßen Indiependentlabel Hamburg Records nach den Sternen zu greifen. Um in der Ellenbogengesellschaft der kommerziellen Musikindustrie zu bestehen, dünnte das Quintett auf vier Köpfe aus, tauschte den Bandnamen in „Mofa“ und verlor irgendwo zwischen Köln Mülheim und der großen weiten Welt bedauerlicherweise auch das, was es einst so einzigartig gemacht hatte. Ich weiß nicht, wie ich den vorliegenden Tonträger mit dem bezeichnenden Titel „Punk Rock Fuck Off“ gefunden hätte, wenn mir die Vorgeschichte der Band nicht bekannt gewesen wäre, aber was da jetzt so locker flockig aus den Boxen kommt, klingt wie die angepasste Version von etwas, das ich mal gut gefunden habe. Dass Lieder wie „Im Gras“, „Flatscreen Revolution“ und auch die Single „Tiger“ durchaus gelungen sind, gebe ich allzu gerne zu. Auch klingt die Musik aufwendig produziert und die Chöre, die seit jeher eine große Stärke dieser Band sind, könnten kaum mit mehr Raffinessen aufwarten. Doch leider reicht das alles nicht aus, um von den Längen und der Eindimensionalität dieser Platte abzulenken. Für die zweiten müsste, wenn es nach mir ginge, die Devise „Back to the Roots“ lauten.
Jörg

www.mofamusic.de

Montreal - s/t (CD)

Montreal ist eine Band aus dem Hamburg Records-Stall und diese Herkunft scheint zu einem bestimmten Sound zu verpflichten. Der zeichnet sich neben seiner Nähe zum Punkrock vor allem durch Stadionrock-eske Gitarrenmauern und mehrstimmige Chöre aus. Für alle, denen das nicht viel sagt, der Klang des Hamburger Trios lässt sich leicht mit dem der Ärzte vergleichen, hat aber zugleich einige Berührungspunkte mit dem US-amerikanischen Melodic-Core. Textlich spielen Montreal in einer Liga mit Fettes Brot und Farin Urlaub, denn es gelingt ihnen, ohne übertriebenen Kitsch, dafür mit wohl gewählten und klug gereimten Worten authentische Alltagsszenen aus den Leben dreier Twens zu erzählen. Ok, bei „Wir sind die Gang“ funkelt noch eine voradulte Albernheit durch. Dafür trifft ein reiferer, ja leicht zynischer Umgang mit den Problemen des Lebens in Stücken wie „Dein neuer Freund und ich“ oder „Das letzte Lied für Dich“ deutlich in den Vordergrund. Das mittlerweile vierte Studioalbum von Montreal sollte am Stück gehört werden. Zumindest würde es mir sehr schwer fallen, die Single zu bestimmen. Denn wenngleich es keine Ausfälle auf dem selbstbetitelten Album gibt, ragt auch kein einziges Stück in der Weise hervor, dass es in einer Radioplaylist oder an einem Abend in der Indie-Disco ganz besonders ins Ohr treffen würde.
Jörg

www.montrealmusic.de