Montag, 27. September 2010

The Giannies - I feel allright (CD)

Welche Musik hört man am besten zum Joggen? Das ist eine Frage, der, meiner Ansicht nach, in der öffentliche Debatte nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird. Daher möchte ich an dieser Stelle den Anfang machen und Euch an meinem reichhaltigen Erfahrungsschatz teilhaben lassen. Dass die Musik nicht zu langsam sein darf, sollte jedem von selbst einleuchten; auch eine übertrieben hohe Geschwindigkeit führt nur zu einer allzu schnellen Ermüdung. Daher mein Tipp: Etwas über Midtempo ist genau das Richtige. Darüber hinaus sollten schräge Takte, wie der 5/4- und der 7/8-Takt gemieden werden. Allzu schnell rufen einem sonst rüstige Rentner hinterher: „Schlaganfall und er läuft immer noch! Das ist die alte Garde, das nenne ich Kampfgeist!“ Desweiteren sollte die Musik fluffig und leicht sein, denn wer läuft schon zur Topform auf, wenn einem Krachgeräusche und ein Destillat aus 30 Jahren Weltschmerz ins Ohr dröhnt! So bin ich auf meiner Suche nach der richtigen Waldlaufmusik bald zum Rock n´ Roll gelangt. Doch auch hier steckt der Teufel im Detail. Wenn einem Typen mit schmierigen Tollen, Eightball-Tattoos und benzinschwangeren Stimmen Lieder über ihren kaputten Lifestyle vorgröhlen, motiviert das ebenfalls wenig, eine sportliche Bestleistung zu bringen. Schlussendlich habe ich für mich genau das Richtige gefunden. Die Giannies spielen lockeren Rock n´ Roll, der mich heiter und unbeschwert über Wald- und Feldwege hüpfen lässt. Das Trio macht keinen kaputten Eindruck, sondern klingt nach viel Spaß und sauberen Hemdkragen. Beim Joggen verausgabe ich mich mit den Giannis, und, ohne angeben zu wollen, ich glaube, man sieht auch schon was.
Jörg

www.myspace.com/thegiannies
www.myspace.com/subwix

Mittwoch, 15. September 2010

Spankies - End of Transmissions? (CD)

Die Spankies kommen aus Italien und haben offenbar nicht nur die Universität für Melodic Hardcore besucht, sondern waren dort vermutlich auch noch ganz schöne Streber. Wobei nein, demnach wäre das dann ja nach Jörg's Definition Mathcore, haha. Wie dem auch sei, die Spankies haben ihre Hausaufgaben jedenfalls gemacht und die fünf Songs auf ihrer aktuellen EP klingen genau so, wie diese Art von Mucke heutzutage halt zu klingen hat. Ordentliches Gebretter gepaart mit 1A Melodien, dazu ein schön rotziger Gesang, der mich phasenweise etwas an NOFX erinnert. Bei aller Perfektion gibt's aber trotzdem noch einen Punkt Abzug für die mangelnde Eigenständigkeit im Sound. Dass sie was auf dem Kasten haben, beweisen sie hier mehr als gut, aber am Wiedererkennungswert sollte doch noch dringend ein wenig gefeilt werden, dann gibt's auch nix mehr zu meckern.
Greffo

www.myspace.com/spankiesband
www.subwix.de.vu
www.strictly-commercial.de
www.myspace.com/thatluxgoodrecords

Montag, 13. September 2010

7 Weeks - All Channels off (CD)

Als ich die CD einlege und die ersten Klänge vernehme, bekomme ich es mit der Angst zu tun. Ein Metalriff der schlimmeren Sorte ist zu hören. Und wenn ich schlimm sage, dann meine ich auch schlimm. Mit Metal haben 7 Weeks aus Frankreich allerdings gar nichts am Hut. Die Metamorphose zu erträglicheren Klängen setzt dann zum Glück auch schon während des Titeltracks ein und statt fiesem Metal darf ich nun also Stoner-Rock lauschen. Ich muss gestehen, dass dies ein Genre ist, mit dem ich mich bislang eher wenig bis kaum auseinander gesetzt habe. Und an Bands kenne ich da eigentlich auch nur... na, ihr könnt's euch denken. 7 Weeks, und das kann ich auch ohne großartige Stoner-Rock-Expertenkenntnisse sagen, erfinden das Rad hier jedenfalls nicht neu, rollen selbiges allerdings verdammt elegant durch meine Gehörgänge. Teilweise mag das Ganze hier und da noch ein wenig eintönig sein, da die eingängigen Riffs sich mitunter dann doch arg ähneln, aber im Großen und Ganzen weiß "All Channels off" durchaus zu überzeugen.
Greffo

www.7weeks.fr
www.finestnoise.de

Viermannzelt - Pforzheim (CD)

Auf der Rückseite von DIY-Produktionen gleich mehrere Label-Logos zu erblicken, ist ja wahrlich nix besonderes mehr. Die fünf Pforzheimer von Viermannzelt sind da schon etwas innovativer und so lachen einen auf der Rückseite ihres Debüt-Silberlings statt Label-Logos die Logos verschiedenster lokaler Institutionen an, z.B. die Tierpraxis Nowakowski, der Fotograf Carsten Fertig oder aber auch die Firma Bähr Style, die die Pforzheimer Senioren chic macht. Das wirkt alles erstmal ziemlich befremdlich, aber da man die CD in sämtlichen Läden auch käuflich erwerben kann, macht es ja irgendwo auch Sinn und Parallelen zu Kooperationen mit DIY-Labels lassen sich da mit etwas Fantasie ja auch ziehen. Irgendwie... Nun ja, neben allerlei Werbung gibt's natürlich auch noch ein wenig Musik und diese ist um einiges bierzelttauglicher als, was Bandhitler Steffen mit seiner anderen Kapelle First Doom (die übrigens auch einmal gecovert wird) so verzapft. Dementsprechend werde ich auch nicht wirklich zu 100% warm mit der CD und ob man wirklich Matthias Reim covern muss, weiss ich nicht. Die EAV-Songs sind da schon um einiges cooler, aber da hätte es einer vielleicht auch getan. Insgesamt eine bunte Mischung aus Rock, Pop, Reggae, Country, Mitgröhl-Jazz und 'ner (viel zu) leichten Prise Punk. Nicht immer meine Tasse Tee, aber das, was Steffen und seine Gang da tun, das tun sie gut!
Greffo

www.viermannzelt.de

The Low Four - My Rise, my Fall (CD)

Sagt mal Jungs, seid ihr nicht irgendwie aus dem Alter raus, in dem man total cool mit Bierpullen und Kippen in der Hand für's Bandfoto posiert? Naja, sei's drum. Hier soll es ja schliesslich nicht um die Modelqualitäten der Band gehen, sondern um ihre musikalischen Skills. Und an den Instrumenten hat das Tübinger Quartett dann gottseidank doch etwas mehr drauf, als vor der Kamera. Die 14 teilweise etwas prolligen Streetpunk-Nummern des Debüt-Albums kommen zwar ohne wirklichen Hit aus, halten ihren Level dafür aber relativ konstant irgendwo zwischen "kann man sich anhören" und "och ja, ganz gut". Als Begleitmusik für die Autofahrt von Effringen nach Pforzheim also durchaus geeignet, für mehr fehlt mir da wie gesagt das gewisse Etwas, der eine oder andere Hit oder zumindest mal die eine oder andere Melodie, die im Ohr kleben bleibt. Für ein Erstlingswerk ist das aber durchaus nicht schlecht und Freunde dieses Genres werden sicherlich ihre Freude dran haben. Gibt's übrigens mittlerweile für sensationelle 3 € beim Label.
Greffo

www.myspace.com/thelowfour
www.myspace.com/thatluxgoodrecords

Featherlike - Kings & Queens (CD)

Wie die Bandhomepage ihren Besucher informiert, kommen Featherlike aus Basel und spielen so genannten Adult Pop, ein Musikgenre, das mir bislang nicht geläufig war. Schon der Blick auf das Cover, das mit den Konterfeis des Quartetts dekoriert ist, gibt einen ersten Hinweis darauf, dass man sich unter dieser Genrebezeichnung offenbar Musik von Erwachsenen (und, wie ich annehme, für Erwachsene) vorzustellen hat. Tatsächlich macht die Musik einen gereiften Eindruck. Befreit von jugendlicher Hitzigkeit zeigen die elf Stücke auf „Kings and Queens“ ein erwachsenes Songwriting, das gerade in einer alles überblickenden Ruhe seine Stärke hat. Die Lieder zeichnen sich durch ein kluges Arrangement aus, das in eine imposante, wenn auch etwas sterile Produktion gekleidet, dem Jugendwahn unserer Zeit etwas entgegenzusetzen hat. Wenngleich die Platten weder signifikante Höhe- oder Tiefpunkte beinhaltet, sondern stattdessen, wie jedes gute Album, am Stück gehört werden kann, sind vor allem „Love is a Minefield“ und „Stanley“ als Anspieltipps zu empfehlen.
Jörg

www.featherlike.ch
www.finestnoise.de

Anschiss - Immer weiter (CD-R)

Hui, eine CD von einer Band mit diesem Namen hätte auch aus einer Anhäufung von schwachsinnigem Fäkalhumor bestehen können. Wenn ich auch dem infantilen Scherz gelegentlich etwas abgewinnen kann, bin ich doch freudig überrascht, dass hinter dem Bandnamen etwas Ernsthafteres steckt, als ich befürchtet habe. Das Trio aus Hannover distanziert sich auf seiner Homepage klar von Rechtsextremismus, Rassismus und Sexismus, eine politische Haltung, die man auch aus den Liedtexten entnehmen kann. Darüber hinaus betreibt man Kapitalismuskritik, beschreibt die Individualisierung jenseits der Norm und versucht sich in „Sommer, Spaß und Sonnenschein“ sogar an einem Sommerhit. Was die Musik angeht, spielen Anschiss gut nach vorne gehenden, schnörkellosen Deutschpunk. „Immer weiter“ verdient nicht unbedingt einen Innovationspreis, ist aber für Freunde dieses Genres empfehlenswert.
Jörg

www.anschiss.net